The Silk Road: Connecting the ancient world through trade - Shannon Harris Castelo - YouTube

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Übersetzung: Judith Waczek Lektorat: ifb Kempten
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In weniger als einer Sekunde sendet ein Banker in London
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die aktuellsten Kursinfos an seine Kollegen in Hong Kong.
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Mit einem Klick bestellt ein Kunde in New York
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elektronische Artikel aus Peking,
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die innerhalb weniger Tage
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per Flugzeug oder Schiff den Ozean überqueren.
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Heute bewegen sich Güter und Informationen
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in einer noch nie dagewesenen Menge und Geschwindigkeit um die Welt.
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Doch der weltweite Handel ist älter als wir denken
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und reicht über 2 000 Jahre auf eine 8 000 km lange Route zurück,
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die als die Seidenstraße bekannt ist.
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Diese bestand jedoch nicht aus einer einzigen Straße,
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sondern einem Netzwerk aus Handelswegen,
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das sich allmählich über Jahrhunderte entwickelte
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und Stück um Stück viele Siedlungen miteinander verband.
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Die ersten Agrargesellschaften lebten
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in abgelegenen und fruchtbaren Flusstälern.
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Ihr Weiterziehen wurde durch die geografische Umgebung
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und die Angst vor dem Unbekannten erschwert.
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Doch allmählich stellten die Menschen fest,
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dass die trockenen Wüsten und Steppen
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nicht von sagenhaften Dämonen,
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sondern von berittenen Nomadenstämmen bewohnt waren.
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Die Skythen zwischen Ungarn und der Mongolei
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waren mit den Zivilisationen
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der Griechen, Ägypter, Inder und Chinesen in Kontakt gekommen.
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Diese Begegnungen waren oft gar nicht friedlich.
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Doch trotz der Überfälle und Kämpfe
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sowie dem Handel und Schutz reisender Händler
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im Tausch gegen Zollzahlungen
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begannen die Nomaden, Waren, Ideen und Technik
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zwischen isolierten Kulturen zu verbreiten.
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Eine der Hauptstraßen des wachsenden Netzwerkes
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war die Persische Königsstraße,
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fertiggestellt von Dareios I. im 5. Jh. v. Chr.
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Sie erstreckte sich über etwa 3 200 km vom Tigris bis zur Ägäis.
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Mit ihren Knotenpunkten war es möglich,
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Waren und Nachrichten 10 x schneller zu verbreiten, als mit nur einem Boten.
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Alexander der Große eroberte Persien
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und stieß nach Zentralasien vor, indem er Städte wie Samarkand einnahm
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und neue Städte wie Alexandria Eschate gründete.
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Das Netzwerk aus Kultur und Handel aus Griechenland, Ägypten, Persien und Indien
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reichte weiter in den Osten als jemals zuvor
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und war der Grundstein für eine Brücke zwischen China und dem Westen.
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Dies gelang im 2. Jh. v. Chr.,
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als ein Botschafter namens Zhang Qian in den Westen entsandt wurde
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um mit den Nomaden zu verhandeln.
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Bei seiner Rückkehr erzählte er dem Han-Kaiser
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von Hochkulturen, florierendem Handel
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und exotischen Waren jenseits der westlichen Grenzen.
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Botschafter und Händler wurden Richtung Persien und Indien gesandt,
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um Seide und Jade gegen Pferde und Baumwolle zu tauschen.
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Armeen sicherten ihren Weg ab.
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Langsam verbanden sich die östlichen und westlichen Straßen
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zu einem umfassenden Netzwerk über ganz Eurasien.
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Der kulturelle Austausch und Handel
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erreichten ganz neue Ausmaße.
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Chinesische Waren gelangten nach Rom,
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weshalb das Gold knapp und Seide verboten wurde,
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und römische Glaswaren wurden in China teuer gehandelt.
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Bei Militärexpeditionen in Zentralasien
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begegneten sich chinesische und römische Soldaten.
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Möglicherweise wurde so sogar die Armbrust
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in die westliche Welt gebracht.
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Die Nachfrage nach exotischen und fremden Waren
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und der Profit daraus erhielten die Seidenstraße,
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selbst als das Römische Reich zerbrach
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und chinesische Dynastien aufstiegen und fielen.
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Sogar die mongolischen Reiter, bekannt für ihre Plünderungen,
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schützten aktiv diese Handelsrouten, statt sie zu zerstören.
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Abgesehen vom Warentausch ermöglichten diese Handelswege
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auch die Weitergabe von Traditionen, Erfindungen, Ideen und Sprachen.
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Der Buddhismus gelangte aus Indien nach China und Japan
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und wurde dort zur Hauptreligion.
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Der Islam verbreitete sich von der arabischen Halbinsel nach Südasien
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und vermischte sich mit lokalen Religionen,
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was neue Religionen wie den Sikhismus hervorbrachte.
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Auch Schießpulver gelangte von China in den Nahen Osten
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und ermöglichte das Osmanische, Safawidische und das Mogulreich.
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Der Erfolg der Seidenstraße führte gewissermaßen zu ihrem Untergang,
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da neue Seefahrttechnologien, wie der Magnetkompass,
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nach Europa gelangten und lange Landwege überflüssig machten.
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Gleichzeitig ging das Mogulreich unter
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und China zog sich aus dem internationalen Handel zurück.
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Obwohl die alten Wege und Netzwerke verschwanden,
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hatten sie die Welt unwiderruflich verändert.
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Die Suche der Europäer nach neuen Seewegen
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zu den erhofften Schätzen in Ostasien
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führte zum Zeitalter der Entdeckungen
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und einer Expansion nach Afrika und Amerika.
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Heute bestimmt die globale Vernetzung unser Leben wie niemals zuvor.
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Kanadische Konsumenten kaufen T-Shirts aus Bangladesh,
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japanische Zuschauer sehen sich britische Fernsehsendungen an,
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und Tunesier beginnen mit US-Software eine Revolution.
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Die Einflüsse der Globalisierung auf Kultur und Wirtschaft sind unbestreitbar.
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Doch ungeachtet ihrer Vor- und Nachteile
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ist sie bei weitem kein neues Phänomen.
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Heute werden die Berge, Wüsten und Ozeane,
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die uns einst trennten,
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mit Überschallflugzeugen,
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kontinentenübergreifenden Kommunikationskabeln
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und mit Signalen quer durchs All überwunden,
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statt monatelang reisenden Karawanen.
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All dies wäre jedoch nicht möglich gewesen
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ohne die ersten Kulturen,
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durch deren Bemühungen die Seidenstraße entstand:
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das erste globale Netzwerk der Geschichte.