Corporate Social Responsibility (CSR): Practical Perspectives by Thomas Beschorner - YouTube

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Korruption und Bestechungen
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Bilanzfälschungen
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Unterstützung bei Steuerhinterziehungen. Ausbeutung von Mitarbeitern,
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grobe Menschenrechtsverletzungen in Schwellen- und Entwicklungsländern,
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die Verletzung von Verbraucher- und Persönlichkeitsrechten oder
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gewissenloser Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen sind nur einige
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wenige Beispiele die die Schattenseiten unseres Wirtschaftens deutlich
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charakterisieren.
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Unter dem Begriff Unternehmensverantwortung, Neudeutsch
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Corporate Social Responsibility, kurz CSR, wollen wir danach fragen: Wie lässt
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sich CSR in der Praxis realisieren?
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Ein erster naheliegender Ansatz besteht darin, Bad Practices, beispielsweise
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Korruption oder Betrug, zu vermeiden
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Konkrete Maßnahmen werden oft als Risiko Management bezeichnet mit dem es
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gelingen soll, finanzielle Risiken aber auch das Risiko von Reputations-
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Schäden zu vermeiden.
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Wer hat schon gern schlechte Presse?
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Dafür installiert man in Unternehmen klare Regeln, sogenannte Compliance
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Systeme oder Wertemanagementsysteme.
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Wie? Eine Flasche Wein darf man als Geschenk des Lieferanten annehmen, die
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Einladung zum Golf-Wochenende nach Mallorca ist hingegen auszuschlagen.
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Risiko- und Compliance-Management ist gleichwohl nur ein Teilaspekt
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richtig verstandener Unternehmensverantwortung.
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Denn bei CSR geht es nicht nur um die Vermeidung von Bad Practices.
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Die herausfordernde Frage ist vielmehr: Welchen Beitrag sollen und können
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Unternehmen für eine gute Wirtschaft durch gute Geschäfte leisten?
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Dann gründen wir also eine Stiftung oder spenden fleißig und tun so Gutes.
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Das schadet zwar nicht und es mag sogar helfen, geht dabei an systemischen
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Veränderungen vorbei.
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Wichtig ist: Bei CSR geht es nicht darum, wie Unternehmen ihre Gewinne
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verwenden, sondern wie Unternehmen ihre Gewinne erwirtschaften.
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Angesprochen ist damit eine starke integrative Perspektive auf der
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Grundlage einer Wertebasis und nahe am Kerngeschäft des jeweiligen
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Unternehmens.
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Gute Geschäfte für eine gute Gesellschaft klingt ja alles schön -
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aber wie kann das praktisch gehen?
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Vier Schritte dienen als erste Orientierung.
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Erstens:
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Unternehmen sollen ein Unternehmensleitbild entwickeln. Was ist
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der gesellschaftliche Sinn der unternehmerischen Tätigkeit?
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Welchen Beitrag will das Unternehmen für die Gesellschaft durch seine
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Geschäftstätigkeiten leisten?
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Welche Praktiken sind für das Unternehmen unter keinen Umständen
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akzeptabel?
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Dieses Leitbild sollte sich von einer engen Produktorientierung erst einmal
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lösen und sich stattdessen an gesellschaftlichen Bedürfnissen
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orientieren. Es geht nicht um Autos,
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sondern um Mobilität. Ein Versicherungsunternehmen verkauft keine
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Policen, sondern hilft Menschen im Umgang mit Risiken.
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Ein solches Leitbild sollte eine verbindliche und auch kodifizierte
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Wertebasis für das Unternehmen bilden.
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Auf dieser Grundlage und nur auf dieser Grundlage werden Geschäfte gemacht.
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Zweitens, geht es um eine Bestimmung von sozialen und ökologischen Themen im
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Austausch mit den Anspruchsgruppen des Unternehmens.
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Hinhören, zuhören und miteinander reden ist dabei wichtig. Denn so rücken
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Unternehmen wieder mehr an die Gesellschaft heran.
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Für die Systematisierung dieser Themen nutzen Unternehmen oft das Instrument der
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Wesentlichkeitsanalyse.
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Dadurch wird die Bedeutung sozialer und ökologischer Aspekte in einer einfachen
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Matrix geordnet. Aus Sicht der Anspruchsgruppen, ebenso wie aus Sicht
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des Unternehmens.
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Unternehmensverantwortung ist keine Blaupause.
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Sondern bestimmt sich von Branche zu Branche und von Unternehmen zu
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Unternehmen durchaus unterschiedlich.
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Man muss und sollte das Rad aber nicht völlig neu erfinden, denn es gibt,
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Drittens, durchaus einige Orientierungen.
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Zum Beispiel den UN Global Compact oder die ISO 26.000.
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Der Global Compact, zum Beispiel, beinhaltet zehn Prinzipien bei denen es
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um Menschenrechte,
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Arbeitsnormen,
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Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung geht.
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Die ISO 26.000 unterscheidet sieben Themenfelder mit nicht weniger als 37
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konkreten Handlungsfeldern. Auch hier geht es um Menschenrechte,
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Arbeitspraktiken, Umweltschutz und faire Geschäftspraktiken sowie darüber
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hinaus noch um Konsumentenanliegen und die Einbindung von Unternehmen in die
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Gesellschaft.
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Das 7. Themenfeld der ISO 26.000 schließlich ist die Organisations-
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Führung, womit die systematische und strategische Verankerung von
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Verantwortung in der Organisation angesprochen wird.
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Viertens:
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Die konkrete Implementierung von Corporate Social Responsibility bezieht
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sich dann auf alle relevanten Funktionsbereiche und alle
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Fachabteilungen im Unternehmen.
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Das Beschaffungswesen, die Produktion,
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die Forschung und Entwicklung, das Personalwesen,
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das Marketing, den Vertrieb,
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die Werbung und so weiter.
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Im Beschaffungswesen, beispielsweise, werden damit die Arbeitsbedingungen bei
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Zulieferbetrieben zu einem Kriterium für die Lieferantenauswahl.
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Im Vertrieb gibt es Orientierungen für eine faire Beratung und absoluten «No-Go's»
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bei der Auftragsakquise, um nur zwei Beispiele zu nennen.
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Was hier ersteinmal richtig kompliziert und aufwendig klingt, stellt auf den
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zweiten Blick eine wichtige Erleichterung dar.
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Die Implementierung von CSR kann an vorhandene Managementsysteme anknüpfen.
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Über diese vier Schritte: 1. ein fundiertes Leitbild, 2. die
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Identifikation von Themenfeldern im Austausch mit den Anspruchsgruppen, 3.
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eine Orientierung an allgemeinen Standards und 4. die strategische
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Verankerung in allen Funktionsbereichen des Unternehmens, kommt Corporate Social
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Responsibility dahin wo sie hingehört. Sie wird integrativ umgesetzt und
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bezieht sich auf das Kerngeschäft von Unternehmen.