Portfoliotheorie: Grundlagen - Teil 1 - YouTube

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In der modernen Portfoliotheorie steht nicht die einzelne Anlage im Mittelpunkt der Analyse,
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sondern die Interaktion, also das Zusammenspiel der Eigenschaften mehrerer Anlagen.
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Harry Markowitz hat in den 1950er Jahren genau dies untersucht und beschrieben.
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Er gilt als der BegrĂŒnder der modernen Portfoliotheorie
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und wurde dafĂŒr 1990 mit dem Nobelpreis fĂŒr Ökonomie ausgezeichnet.
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Im Wesentlichen
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beruhen seine Überlegungen dabei auf den Annahmen, dass erwarteter Ertrag und Risiko
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der Anlage die fĂŒr das Portfolio einzigen relevanten Optimierungsparameter darstellen.
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Der Investor verhĂ€lt sich dabei rational und risikoavers – er ist also risikoscheu.
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Grafisch dargestellt wird das Risiko hier als VolatilitÀt oder Standardabweichung definiert
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und auf der X-Achse abgetragen und die erwartete Rendite wird auf der Y-Achse abgetragen.
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Die Anlage B ist fĂŒr einen rational denkenden Investor uninteressant, da sie bei gleichem
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erwarteten Ertrag ein höheres Risiko als Anlage A aufweist.
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Hingegen kann Anlage C
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durchaus interessant sein, da das höhere Risiko im Vergleich zur Anlage A mit einem höheren
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erwarteten Ertrag belohnt wird.
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Von zentraler Bedeutung fĂŒr die Portfoliotheorie ist nun aber – wie bereits zu Beginn erwĂ€hnt
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– die Interaktion zwischen den einzelnen Anlagen,
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welche im vorliegenden Kontext durch die Korrelation der Anlagerenditen quantifiziert wird.
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Dabei gilt folgender Zusammenhang:
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Ein Korrelationskoeffizient von +1 bedeutet, dass ein perfekter positiver Zusammenhang besteht.
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Steigt Anlage A um 10% an, so steigt auch Anlage B um 10% an.
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Ein Korrelationskoeffizient von -1 beschreibt entsprechend eine perfekt negative Beziehung.
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Ein Korrelationskoeffizient von 0 bedeutet, dass zwischen dem Auf und Ab der Renditen
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ĂŒberhaupt kein Zusammenhang besteht.
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An dieser Stelle eine kurze Randbemerkung: Die Korrelation beschreibt eine rein lineare statistische Beziehung.
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Das heisst, sie postuliert weder einen Kausalzusammenhang noch
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schliesst sie komplexere nicht-lineare Beziehungen zwischen den Merkmalen aus.
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Gut.
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Was heisst das nun konkret?
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Wie wirkt sich die Interaktion bzw.
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Korrelation zwischen zwei Anlagen aus?
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Nehmen wir dazu konkrete Zahlen,
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und zwar die Aktienkursentwicklung der Pharmafirma Roche und des Uhrenherstellers Swatch.
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Über die letzten fĂŒnf Jahre betrachtet lag die
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durchschnittliche jÀhrliche Rendite von Roche bei 14.9% und die durchschnittliche jÀhrliche
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Rendite von Swatch bei 23.6%.
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Wir wollen diese Grössen als erwartete Renditen fĂŒr die nĂ€chste Periode verwenden.
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Die entsprechenden Risikowerte, also die VolatilitÀt der Renditen
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betrĂ€gt 18% fĂŒr Roche, respektive 28.5% fĂŒr Swatch.
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Die Korrelation zwischen den Renditen
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belÀuft sich auf 0.3975.
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Das ist ein positiver Wert und bedeutet das folgende:
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Liegt die eine Rendite im Plus, dann gilt das im Durchschnitt auch fĂŒr die andere Rendite –
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wenn auch nicht im selben Ausmass.
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Ein Portfolio, welches nun beispielsweise aus 50% Roche und 50%
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Swatch besteht, weist eine Rendite von 19.3% auf.
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Dieselbe Berechnung fĂŒr das Risiko wĂŒrde einen Wert von 23.2% ergeben.
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Dieses Ergebnis ist jedoch nur fĂŒr den Fall perfekt positiv
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korrelierter Renditen, sprich einem Korrelationskoeffizienten von +1 gĂŒltig.
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Dann liegen sÀmtliche möglichen Portfoliozusammensetzungen auf dieser Linie.
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Ist der Korrelationskoeffizient kleiner als +1, so lÀsst sich ein Teil des Risikos eliminieren.
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Im Falle von -1, also perfekt negativer Korrelation lÀsst sich das Risiko gar vollstÀndig eliminieren.
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In unserem Beispiel mit einem Korrelationskoeffizienten von 0.3975 berechnet sich das Risiko auf 19.6%.
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Das ist ein um 3.6% niedrigeres Risiko.
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Auf diese Berechnung kommen wir in
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einem spĂ€teren Video noch zurĂŒck.
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Variieren wir nun die Zusammensetzung des Portfolios, also die Gewichtung von Roche und Swatch –
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wir tun dies hier in 10%-Schritten – resultieren folgende Portfolios,
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die den Kern der Portfoliotheorie gut erkennen lassen:
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Dank der Interaktion der einzelnen Anlagen lassen sich Portfolios zusammenstellen,
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die effizientere Ertrags-Risiko- Eigenschaften auf weisen als einzelne Anlagen.
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So kann beispielsweise im vorliegenden Fall durch die Beimischung von 30% Swatch
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der Ertrag von Roche bei gleichem Risiko um rund 2.5 Prozentpunkte erhöht werden.