Inside Hong Kong’s cage homes - YouTube

Channel: Vox

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Es ist teurer in Hong Kong zu leben als irgendwo sonst auf der Welt.
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Hong Kong belegt
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seit 8 Jahren den ersten Platz in den Rankings der Städte mit dem teuersten Wohnraum
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mit Abstand.
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Die Immobilienpreise sind fast zwanzig mal
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höher als das jährliche Durchschnittseinkommen. Das heißt, eine Familie mit einem jährlichen Einkommen von 50.000 US-Dollar
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würde sich nach einem Haus umschauen, das 980.000 US-Dollar kostet.
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Und es wird noch schlimmer.
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Hunderttausende Bürger der Stadt
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wohnen in unglaublich kleinen Wohnung. Die meisten sind so groß wie ein Parkplatz.
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Das sind diese Käfig-Wohnungen. Sie bieten Platz für eine Person
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und ihre Besitztümer. Und diese Käfige werden in Zimmern übereinander gestapelt,
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damit möglichst viele hinein passen. Und trotzdem steigen die Quadratmeterpreise
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immer weiter.
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Ich habe einige dieser Wohnungen besucht,
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um eine Erklärung für diese Entwicklung zu finden und die Menschen zu treffen, die dem teuersten Wohnraum der Welt
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zum Opfer fallen.
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Zehntausende Hongkonger leben in Wohnungen
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mit einer Größe zwischen 7 und 13 Quadratmetern. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Größe eines Parkplatzes in den USA
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beträgt 11 Quadratmeter.
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Eine der gebräuchlichsten Strategien für kleinen Wohnraum
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ist das Aufteilen. Diese große Wohnung ist
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in mehrere winzig kleine Wohnräume aufgeteilt.
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Die Bewohner haben
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gerade genug Platz für ein Bett, einen Tisch und ein paar Besitztümer.
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Dieses Modell funktioniert dadurch, dass es einen größeren Gemeinschaftsbereich gibt,
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in dem alle Bewohner kochen, Wäsche waschen und austreten können.
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Damit wird Platz in den privaten Wohnräumen gespart und die Mietkosten werden verringert.
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Das ist die
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Gemeinschaftsküche dieser Wohnung. 4 Familien teilen sie sich.
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Die naheliegende Erklärung für die hohen Mietpreise ist Landknappheit.
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7,5 Million Menschen müssen auf ein paar Inseln leben –
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das treibt die Preise in die Höhe.
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Gleiches gilt in Städten wie San Francisco und
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New York City.
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In New York City und San Francisco stimmt das auf jeden Fall,
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aber ist das Land in Hong Kong wirklich knapp? Fragen wir das mal die
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Drohne.
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Wenn man über Hong Kong fliegt, sieht man eine sehr dichte
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Städtelandschaft – aber auch viele Grünflächen.
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Regierungsangaben zufolge sind
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75% der Landflächen Hong Kong nicht bebaut. Manches davon sind
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Berge und Felsen, die nicht einfach zu bebauen sind, aber nicht alles.
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Ich habe zwei Experten nach der Bebauungsdichte gefragt.
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Der eine ist gebürtiger Hong Konger; der andere wohnt seit über 30 Jahren in der Stadt. Beide setzen sich für eine
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bessere Raumplanung ein.
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Sind die hohen Preise eine Folge von Landknappheit?
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Nein.
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Nein.
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Das Problem ist die Flächennutzung. Land wird ineffizient genutzt oder
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geschützt.
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Das Problem ist nicht die Knappheit des Landes sondern die schlechte Bewirtschaftung des Landes.
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Flächennutzung oder Bewirtschaftung – beide verweisen auf die Tatsache, dass
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nur 3,7% der Fläche Hong Kongs für den Städtebau abgegrenzt ist.
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Das liegt aber nicht an den Bergen sondern an Vorschriften.
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Diese sind auch der Grund dafür warum immer mehr Menschen
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in Wohnungen der Größe eines Parkplatzes leben.
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Es ist wichtig zu wissen, dass
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die Regierung alleiniger Eigentümer des Grundbesitzes in Hong Kong ist.
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Die Einzige Ausnahme ist diese Kirche.
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Sie wurde im 19. Jahrhundert von den Briten gebaut und konnte dem Ganzen
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irgendwie entfliehen.
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Also, die Regierung ist der alleinige Grundbesitzer und
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verpachtet die Grundflächen meist für 50 Jahre an Bauunternehmen, die die Grundflächen ersteigern können.
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Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag. Die Grundflächen für Wohnungen sind knapp und kostbar und
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die zunehmend aus Festlandchina kommenden und sehr reichen Immobilienunternehmen
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fechten die Grundstücke unter sich aus.
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Das Ergebnis ist
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ein astronomisch hoher Preis.
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Dieses Stück Land wurde gerade für
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2,2 Milliarden US-Dollar verpachtet – ein neuer Rekord
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für das teuerste jemals von der Hong Konger Regierung verpachtete Grundstück.
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Die Art und Weise wie die Regierung das Land einteilt und verpachtet, trägt also zum Problem bei.
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Steuern sind ein weiterer Teil des Problems. Falls dich das Thema Steuern abstreckt ...
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bitte hab' Geduld und
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bleib' bei mir.
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In Hong Kong liebt man die niedrigen Steuern. Die Stadt ist ein so beliebter Handelsplatz
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weil die Körperschaftssteuer sehr niedrig ist. Außerdem gibt es keine Umsatzsteuer, keine Verkaufssteuer –
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freie Marktwirtschaft, niedrige Steuern. Das sind sozusagen die Grundprinzipien dieser Stadt.
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Schaut euch das Werk der niedrigen Steuern an: Es hat diese Hochhäuser gebaut und
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die Logos der Banken überall an die Wände geklatscht.
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Wenn die Regierung also keine Steuereinnahmen generiert,
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braucht sie eine andere Einnahmequelle und in Hong Kong ist
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das die Verpachtung der Grundstücke
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Ein großer Teil der Staatseinkünfte kommt
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von den Grundstücken, nämlich ungefähr 30% der öffentlichen Staatseinnahmen.
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Die Regierung Hong Kongs verpachtet Land zu unglaublich hohen Preisen
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an Bauunternehmer, generiert so Staatseinnahmen und muss
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keine Steuern erheben. Damit kann die Stadt nach wie vor stolz von sich behaupten,
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die freieste Wirtschaft der Welt zu haben.
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Das heißt,
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dass die Regierung Hong Kongs keinen Anreiz hat,
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mehr Land zu niedrigeren Preisen verfügbar zu machen. Das aktuelle Auktionsmodell
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ist echt gut um Einnahmen zu generieren und einen freien Markt zu garantieren,
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es ist aber schlecht für die Bürger Hong Kongs.
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Von allen winzigen Wohnungen
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ist diese hier die engste. Das sind Sarg-Wohnungen.
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Könnte ich Ihnen eine
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kurze Frage über Ihre Wohnung stellen?
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Die Regierung arbeitet daran, die Zustände zu verbessern. Langsam.
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Jahr für Jahr werden neue Richtlinien verabschiedet, aber es wird zu
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langsam gearbeitet. Das liegt vor allem daran, dass die Regierung einen Anreiz dafür hat,
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den status quo beizubehalten.
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Hier draußen im Industriegebiet Hong Kongs habe ich mich mit
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Eric Wong getroffen. Er ist ein einheimischer Erfinder, der in der Wohnungsnot
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eine Geschäftsidee sah.
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Eric wuchs in Hong Kong auf und macht sich schon seit Jahren Gedanken
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über das Wohnen auf engstem Raum.
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Oh, es gibt WLAN.
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Diese Kapseln gibt es für eine oder zwei Personen
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und sie sind dafür gedacht, eine effizientere und hygienischere Käfig- oder
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Sarg-Wohnung bereitzustellen. Und sie sind relativ preiswert.
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Hier unten ist eine
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kleine Box für Wertgegenstände und es gibt ein Spiegellicht
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und ein Leselicht.
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Diese Kapseln sind zwar innovativ, aber sie sind
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wirklich nur eine Notlösung für das Wohnungsproblem. Sie sind keine echte Lösung.
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Eine echte Lösung wäre mehr als ein gut aussehendes
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Geschäftsmodell:
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Eine Regierung- und Einteilungsreform, die mehr Land für Wohnraum verfügbar machen
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und die Bedürfnisse der Menschen über die des Marktes stellen würde.
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Bis das soweit ist, werden die Bürger Hong Kongs nicht aufhören können, sich in immer
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kleiner werdende Wohnräume zu zwängen.