POLITICAL THEORY - Adam Smith - YouTube

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Adam Smith ist unser Ratgeber für das vielleicht wichtigste Dilemma unserer Zeit:
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Wie können wir eine kapitalistische Wirtschaft menschlicher und erfüllender gestalten.
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Er wurde 1723 im schottischen Kirkclady, einer kleinen Stadt in der Nähe von
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Edinburgh geboren.
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Er war ein fleißiger Schüler und hatte ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter.
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Später wurde er ein akademischer Philosoph und schrieb ein Buch über die Wichtigkeit von Mitgefühl
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und er befasste sich mit Logik und Ästhetik.
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Aber er war auch einer der größten Wirtschaftstheoretiker der Geschichte.
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Auch weil seine Ideen nicht nur mit Ökonomie zu tun haben. Seine Hauptmotivation war,
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das Geldsystem zu verstehen, um Nationen und auch die Menschen glücklicher zu machen.
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Smith bleibt vor Allem wegen 4 Ideen in Erinnerung:
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Wer die moderne Arbeitswelt betrachtet, erkennt zwei hauptsächliche Fakten:
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Moderne Wirtschaftssysteme produzieren einen beispiellosen Wohlstand.
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Und viele durchschnittliche Bürger finden Arbeit sehr langweilig
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vor Allem aber sinnlos.
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Diese beiden Phänomene hängen sehr stark zusammen. Adam Smith war
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der Erste, der das in seiner Theorie der Spezialisierung erkannte.
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Er beobachtete, dass in modernen Unternehmen, Aufgaben, die früher von einer Person an einem Tag erledigt wurden,
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viel profitabler sind, wenn man sie in viele Aufgaben aufteilt, die von mehreren Leuten mit verschiedenen Berufen ausgeführt werden.
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Für Smith war das eine bedeutende Entwicklung: Er sagte vorraus, dass nationale Wirtschaftssysteme
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wachsen und immer reicher würden, je spezialisierter ihre Arbeitskraft würde.
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Ein Zeichen des Reichtums unserer Welt ist, nach Smith, dass es unwahrscheinlich ist, dass wir die Arbeit
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eines Fremden verstehen, den wir auf einer Party treffen. Der Wahn nach unverständlichen Berufsbezeichnungen
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- wie beispielsweise Logistik- und Versorgungsmanager, Verpackungskoordinator oder Direktor für Kommunikation und Bildung -
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zeigen die wirtschaftliche Logik von Smiths Erkenntnis.
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Aber es entsteht ein großes Problem bei Spezialisierung: Sinnhaftigkeit. Bei kleinen Firmen
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mit eng zusammenliegenden Prozessen, erkennt man leicht seinen Nutzen für die Gemeinschaft.
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Wenn aber alles technisiert ist, wird man zu einem kleinen Zahnrad in einer gigantischen Maschine,
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deren allgemeines Ziel aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von den einfachen Leuten im Konzern erkannt wird.
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Eine Firma mit 150,000 Mitarbeitern, die Niederlassungen in vier Kontinenten hat,
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bei der es fünf Jahre dauert ein Konzept zu einem fertigen Produkt zu bringen, hat Probleme einen Sinn für
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Zusammenhalt und Zielsetzung zu erhalten. Chefs von diesen spezialisierten Konzernen der Moderne
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haben deshalb, laut Smith, eine zusätzliche Verantwortung gegenüber ihren Arbeitern:
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Sie müssen ihnen den Sinn, die Rolle und die Würde ihrer Arbeit vermitteln.
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Zu Smiths Zeit entwickelte sich, was wir heute als
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Konsumkapitalismus kennen.
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Hersteller begannen Luxusgüter für eine wachsende Mittelschicht zu produzieren.
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Einige Publizisten waren entsetzt. Der Philosoph Jean-Jaques Rousseau wollte etwa den "Luxus"
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in seiner Heimatstadt Genf verbieten. Er war ein Fan des alten Sparta und vertrat die Meinung,
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dass seine Stadt dernen kargen und einfachen Lebensstil kopieren sollte.
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Da er einer deutlich anderen Meinung war, machte Smith den schweizer Philosophen darauf aufmerksam,
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dass der Konsum von Luxusgütern eine große Rolle in einer guten Gemeinschaft spielt - er garantierte den
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Überfluss an Wohlstand, der es einer Gesellschaft ermöglicht sich um ihre schwächsten Mitglieder zu kümmern. Konsumgesellschaften
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ließen, trotz ihrer Sorglosigkeit, keine jungen Kinder sterben oder alte Menschen verhungern,
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da sie sich Krankenhäuser und Unterstützung für die Armen leisten können.
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Smith verteidigte also den Konsumkapitalismus auf Basis dessen, dass er mehr Gutes für die Armen tut,
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als eine Gesellschaft, die nach hohen Idealen strebt. Smith stellte damit faszinierende Hoffnungen für
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die Zukunft des Kapitalismus. Er wollte nicht, dass die Gesellschaft ewig so sorglos bleibt.
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Er sah, dass Menschen "höhere" Bedürfnisse haben, als jene die von kapitalistischen Vorhaben befriedigt werden
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können. Zum Beispiel unser Bedürfnis nach kutureller Bildung, Selbstverwirklichung, schöne Städte
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und ein erfülltes Sozialleben.
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Die Hoffnung ist, dass wir in Zukunft lernen, ansehnlichen Profit damit zu generieren,
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Menschen mit hochgesteckten Zielen zu helfen. Ein richtig entwickelter Kapitalismus, darf nicht nur unsere
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Grundbedürfnisse befriedigen und uns mit Luxus begeistern. Er sollte Geld aus
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Gütern und Dienstleistungen ziehen, die warhaft erfüllend sind.
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Damals wie heute ist die große Frage, wie man die Reichen
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dazu bringt den Rest der Gesellschaft zu unterstützen? Die Antwort des Chistentums darauf war:
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Lass sie sich schuldig fühlen!
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Während die radikal linke Antwort war und ist: Steuern zu erheben. Smith aber argumentierte
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gegen beide Ansätze: Die Reichen werden wahrscheinlich kaltherzig bleiben und bei hohen Steuern
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würden sie einfach in ein anderes Land fliehen.
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Er sagte, dass es ,entgegen der Erwartungen, nicht das Geld ist, was den Reichen
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wirklich wichtig ist, es sind Ehre und Respekt. Die Reichen häufen Geld an, nicht weil sie gierig sind,
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sondern hauptsächlich damit sie gemocht und anerkannt werden.
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Deshalb sollten Regierungen, statt sie zu besteuern, lieber den Egoismus
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in den Herzen und Motivationen der Reichen verstehen.
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Sie sollten deshalb den Reichen viel Ehre und Status beimessen - als Gegenleistung für all das
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Gute, das diese Narzissten normalerweise nicht tun würden. Wie etwa Schulen und Krankenhäuser zu
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bezahlen oder ihren Arbeitern einen guten Lohn zu zahlen. In Smiths Worten:
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"Das große Geheimnis der Bildung ist es Egosimus auf anständige Dinge zu proijezieren."
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Große Firmen wirken heutzutage sehr böse auf uns, sie sind die natürlichen Ziele der Beschwerden über
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schlecht bezahlte Jobs, Umveltverschmutzung und giftige Inhaltsstoffe in Lebensmitteln.
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Aber Adam Smith wusste, dass es ein unerwartetes und wichtigeres Element für diese Übel gibt:
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unseren Geschmack. Es sind nicht die Firmen die hauptsächlich die Welt zerstören. Es sind unsere
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Gelüste, denen sie lediglich dienen.
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Das Ergebnis davon ist, dass die Reform des Kapitalismus von einer seltsam anmutenden, aber existenziellen Aufgabe abhängt:
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Die Bildung des Konsumenten. Wir müssen gelehrt bekommen Dinge von besserer Qualität zu bekommen und einen
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angemessenen Preis dafür zu zahlen. Einen der die wahre Bürde für die Arbeiter und die Umwelt repräsentiert.
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Eine gute kapitalistische Gesellschaft bietet also nicht nur freie Wahl für den Konsumenten, sie unterrichtet auch die Menschen
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diese Wahl vernünftig zu treffen. Der Kapitalismus kann, so schlägt Smith vor, durch die
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Erhöhung der Qualitätsansprüche der Konsumenten gerettet werden.
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Der wirtschaftliche Zustand der Welt kann einem
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so falsch und doch so kompliziert vorkommen, dass wir in Verzweiflung und Passivität verfallen.
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Adam Smith ist eine Hand die uns Zufersicht und Hoffnung schenkt. Sein Werk ist voll von Ideen darüber,
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wie menschliche Werte mit den Bedürfnissen von Firmen vereinbart werden können. Er verdient unsere
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fortlaufende Aufmerksamkeit, weil er sich mit einem Problem befasste, dass zu unserer Zeit eine vordringliche Rolle spielt:
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Wie können wir eine Wirtschaftsordnung entwickeln, die gleichzeitig profitabel und zivilisiert ist.