Christian Nagel: Wie tickt ein Venture-Capital-Investor? - YouTube

Channel: Stifterverband

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Wir haben natürlich eine Exit-Orientierung. Das ist eingebaut letztlich in dem Auftrag,
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den wir letztlich ausführen im Sinne der Investoren, die wir haben.
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Wir wollen Produkte, die sich global skalieren lassen.
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Tendenziell ist es aber in der Tat so, wenn jetzt ein Team kommt und sagt: Wir haben jetzt
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nur ein Produkt für den Berliner Markt, übertrieben gesagt, ist es für uns nicht so interessant,
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weil es einfach nicht so groß werden kann.
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Und das ist also das eine Thema.
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Wir wollen natürlich große Märkte adressieren, und dann auch eigentlich, ich will nicht sagen unendlich,
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aber eine große Skalierungsmöglichkeit, weil wenn wir investieren, dann verkaufen
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wir ja nach fünf, sechs, sieben Jahren, wenn wir rausgehen, wollen wir ja, dass das jemand
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dann kauft oder die Börse das akzeptiert als gutes Wachstumsunternehmen, was danach
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eben nochmal jahrelang weiter wachsen kann.
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Das ist der Gedanke dahinter letztlich bei dem Thema.
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So, und dann gibt's aber natürlich viel mehr im Sinne von Spreu vom Weizen trennen, da
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gibt's natürlich viele andere Kriterien, die eine Rolle spielen.
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Das Team spielt eine große Rolle.
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Wie gut ist das Team wirklich aufgestellt?
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Was hat das Team für einen Background?
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Wie hungrig ist das Team wirklich?
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Wie divers ist es aufgestellt?
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Kann es global agieren wirklich?
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Also, es gibt da viele, viele weitere Punkte noch, die wir dann abhaken, bis hin zum Produkt letztlich,
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weil wir sind sehr darauf aus oder achten sehr auf das Produkt.
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Was kann das Produkt wirklich?
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Wie ist es besser als andere Produkte?
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Ist es jetzt nur eine inkrementelle Verbesserung, die jeder irgendwie hinkriegt, oder ist es
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wirklich ein Sprung, der nicht so leicht zu kopieren ist oder von anderen eben, wo andere nachziehen können?
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Letztlich kopieren natürlich alle.
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Wenn etwas da ist, dann wird es kopiert.
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Das ist auch ein Punkt.
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Und wir gucken schon darauf natürlich, wo der Wettbewerb ist, und wenn wir feststellen:
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Hier kommt jemand und sagt, der hat was ganz Tolles, Neues entdeckt, und wir stellen fest:
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In den USA gibt es schon fünf gut gefundete Unternehmen, da sind wir eher zurückhaltend.
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Und heute ist die Situation eigentlich auch so, es ist nicht mehr nur so,
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dass Deutschland aus den USA kopiert.
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Es geht in alle Richtungen.
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Oder ich würde es auch gar nicht als kopieren, es klingt so negativ, kopieren bezeichnen.
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Letztlich dadurch, dass die Innovationen eigentlich demokratisiert worden sind, dadurch, dass
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man kein Geld mehr braucht, um ein Produkt auf den Markt zu bringen.
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Aber wenn man einen Tech-Background hat, dann kann man eine App entwickeln, relativ einfach,
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nachts oder am Wochenende, kann man neben dem Job machen.
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Das kann jeder letztlich, der ein bisschen coden kann.
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Das heißt, damit haben wir eine gewisse Demokratisierung, und jeder kann eigentlich irgendwas bauen.
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Und das passiert auch.
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Das heißt: Wir sehen, wenn Themen neu sind, dann sehen wir das nicht so, dass ein Thema kommt,
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und dann ist es das Thema, was neu ist, sondern die Themen, ähnliche Themen
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werden überall auf der ganzen Welt entwickelt von allen möglichen Leuten.
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Unsere Aufgabe ist fast sogar ein bisschen schwieriger geworden, weil wir gucken müssen:
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Wo sind eigentlich, welches ist von denen das richtige oder das interessante?
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Es geht nicht mehr darum, nur die Innovation anzugucken, sondern: Mensch, da passiert ja was!
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Plötzlich kommt da ein Insurance-Tech-Unternehmen, sondern die Frage ist bei uns immer: Welches von
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diesen 20, 30, die es da irgendwie gibt, global, ist denn das, dem wir zutrauen,
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auch vielleicht wirklich den Durchbruch zu schaffen?
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Also, es hat sich da schon deutlich verändert. Was gut und schlecht ist.
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Gut eigentlich, weil es viel breiter ist, gibt viel mehr, die unternehmerisch tätig werden
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können auch letztlich in dem digitalen Zeitalter.
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Gerade mit den mobilen Endgeräten letztlich hat jeder eine Plattform, mit dem er ein Produkt
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launchen kann, was es eben vor 20 Jahren oder vor zehn Jahren noch nicht gab, zehn Jahre iPhone jetzt
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Das heißt: Jetzt geht das.
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Und für uns ein bisschen eben die Schwierigkeit, die daraus entsteht, dass wir eben dann gucken,
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viel breiter gucken müssen, wo diese Dinge entstehen.
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Weil die können eben von allen Ecken kommen.
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Und man kann sich nicht mehr gewiss sein, dass man eben irgendwie einen Vorsprung lange hat,
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weil man weiß ganz genau: Selbst wenn wir hier investieren, dann muss ein Team eben schon
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so gut sein, dass es auch den Vorsprung behält dann zu anderen, die dann parallel entstehen.
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Es muss das Start-up wissen, dass man, dass wir irgendwann raus wollen.
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Und "wir rauswollen" heißt ja nicht unbedingt, dass es bei ihnen zu Ende ist oder dass es
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nicht mehr weitergeht oder der Gründer nicht mehr weitermachen kann.
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Weil selbst wenn wir verkaufen, ist es meistens so, dass der Gründer oder das Gründerteam noch weitermacht.
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Wenn wir an die Börse gehen, dann sowieso ist es eingebaut, dass irgendjemand was weitermachen muss,
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das heißt also, das ist nicht unbedingt ein Ende irgendwie der ganzen Geschichte.
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So muss man das auch sehen.
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Und ich glaube, dieses, keiner von uns, zumindest der Professionellen, denkt jetzt irgendwie
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in so kurzen Zeiträumen, dass man sagt: Wir müssen nach einem Jahr wieder raus.
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Also, das ist, glaube ich, jedem klar, dass man da einen längeren ... weiß ja echt jeder,
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fünf, sechs, sieben Jahre irgendwo es begleitet, das Thema.
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Aber in der Tat, es muss, es ist schon ein Teil der ganzen, auf das, was man sich da einlässt,
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das ist eben nicht so dieses alte Blut-Scholle-Erde-Denken, dass man eben dieses
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Unternehmen mit ins Grab nehmen kann oder vererben kann.
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Da sind wir nicht der richtige Partner, das muss man einfach wissen, wenn das jemand will
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oder das Team das will, dann muss es sich andere Quellen suchen.
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Da ist Venture per se einfach nicht das richtige Finanzierungsinstrument.
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Investoren haben jetzt keinen Bezug zu den Unternehmen, den meisten, in vielen Fällen.
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Es gibt Ausnahmen, wo wir strategische Investoren haben, im Fonds auch, also Corporates, die
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wiederum Interesse haben auch zu sehen: Was passiert an der Innovationsfront?
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Und wo wir wiederum Interesse daran haben letztlich, einen guten Zugang zu bekommen,
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um eben dem Portfolio einen Support zu geben.
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Weil wir verstehen Venture Capital eben als nicht nur Geld geben,
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sondern als Service für Unternehmer eigentlich.
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Und wir, die Gründer von Earlybird, haben alle einen unternehmerischen Background.
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Wir haben alle selbst was Eigenes aufgebaut.
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Das heißt, wir können da auch ganz gut zusammen sprechen, auf Augenhöhe in Anführungsstrichen,
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weil wir eben ähnliche Dinge, mal Schwierigkeiten, kurz vor dem Abgrund stehen, kein Geld mehr haben
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und so, das kennen wir irgendwo aus der eigenen Erfahrung.
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Und das hilft natürlich auch in der Unterstützung, und die guten Unternehmer, die suchen eigentlich
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auch nicht nur Geld, die suchen eigentlich genau diesen Support, also dieses Netzwerk,
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diese Unterstützung, das ist eigentlich das, was sie suchen.
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Das kann man auch lange zurückverfolgen in den USA, die erfolgreichen Dinge sind immer entstanden
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eben auch in der Zusammenwirkung von einem guten Unternehmerteam mit eben guten Investoren,
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die entsprechend auch Weichen gestellt haben, die Verbindungen hergestellt haben,
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die den Weg vielleicht zum Exit geebnet haben, indem man halt mal das richtige Intro gemacht hat.
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Das ist schon mehr als jetzt eben nur das Geld geben, weil das Geld kriege ich auch
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von der Sparkasse, und da hilft mir keiner.
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Wenn ich es irgendwo kriege, meistens kriege ich es nicht, aber simpel gesprochen, da passiert nichts,
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und Venture ist eben schon mehr als eben nur das Geld und ganz stark eben diese Komponente
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Die guten Unternehmer, die verstehen das genau.
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Und die guten, erfolgreichen, die können sich sowieso aussuchen, wer sie finanziert.
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Und da suchen sie eben den aus, der eben in dieser Richtung am meisten Support bieten kann.
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Die meisten Überraschungen sind auf der Teamseite, weil meistens funktionieren die Teams nicht.
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Also, 80 Prozent der Gründe für letztlich Abschreibungen bei uns sind Teamprobleme aller Arten.
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Team zerstreitet, Team wird krank, Team betrügt, alles Mögliche haben wir schon erlebt
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in der Zwischenzeit, sind wir auch lange am Markt jetzt, da hatten wir wirklich alles schon.
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Und das sind so die Überraschungsmomente, die man dann erlebt und wo wir auch immer
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in der Tat uns fragen: Kann man das irgendwie im Vorwege feststellen?
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Kann man besser werden in der Beurteilung von Teams?
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Und das ist nach wie vor schwierig.
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Also, es gibt kein Rezept dafür, wie man das herausfinden kann.
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Man kann, das versuchen wir, halt eine gewisse Zusammenarbeit mit dem Team zu machen
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in der Vorphase, ohne jetzt irgendwie den Prozess rauszuziehen, aber einfach früh kennen lernen.
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Deswegen lernen wir eben auch Teams gerne früh kennen, um zu gucken:
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Wie entwickeln die sich dann?
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Machen die das, also, gesagt, getan.
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Wie ist die Gesagt-getan-Quote?
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Kommen die Dinge wirklich, die man da versprochen hat oder geplant hat?
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Da kann man so ein bisschen ein Gefühl entwickeln.
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Aber trotzdem bleibt immer noch letztlich dieser menschliche Unsicherheitsfaktor in Anführungsstrichen,
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oder ist ja gar nicht menschlich, weil es nicht ein Mensch ist, sondern es ist ja immer ein Team.
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Das ist nochmal komplexer als ein Mensch, den man beurteilen muss vielleicht,
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ob man ihn einstellt oder nicht einstellt.
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Also, ein Team hat noch einmal eine andere Dynamik.
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Und es verändert sich eben auch, weil die Unternehmen sich auch verändern ganz schnell.
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Das heißt, ein Team fängt an zu dritt, viert, fünft, und dann sind's irgendwann 15, 50, 100.
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Und das hat eben eine irre Dynamik letztlich, die damit entsteht, plötzlich mit mehr Verantwortung,
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mit mehr Druck auch, mit der Verlagerung letztlich von "Ich kümmere mich ums Produkt" zu
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"Ich muss jetzt plötzlich ein Team managen".
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Und das wird immer größer, das Team.
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Ich muss plötzlich auch mit Investoren reden.
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Ich muss plötzlich auch mit der Presse reden.
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Es kommt ja andere Dinge dazu, die man gar nicht vorher vielleicht gar nicht erfahren hat,
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also keine Erfahrung hat da drin und mit dem man vielleicht gar nicht so gut umgehen kann.
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Da wird noch viel mehr passieren.
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Und man muss, glaube ich, unterscheiden zwischen der Technologie, die dahinter steht, also
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den Blockchain-Technologien, was ja letztlich ist eine Architektur, die es erlaubt, zurückzuverfolgen
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und letztlich die Fälschungssicherheit erlaubt von gewissen virtuellen Gütern.
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Das ist es ja eigentlich.
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Und das Thema der Kryptowährung, also der Bitcoins, der Litecoins, Ethereum usw.
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Und da ist natürlich, kann man sagen, da ist natürlich,
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das ist ein bisschen wie Gambling schon, muss man sagen.
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Da ist natürlich ein Hype drin, da ist eine wahnsinnige Volatilität drin.
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Da werden Wallets gehacked, da verschwindet Geld, diese Dinge passieren da.
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Ist aber auch natürlich, weil das ganze relativ neu ist, passieren solche Dinge auch, muss man sagen.
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Und da in dem Fall kann man sagen, da ist sicherlich eine gewisse Blasenbildung immer wieder drin.
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Da geht's mal wieder hoch, da geht's mal wieder runter, das passiert einfach.
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Aber diese darunterliegende Technologie, die ist eigentlich noch viel mächtiger als jetzt
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nur bezogen auf Kryptowährungen, also Währungen, die man irgendwie neu schaffen kann.
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Die ist wahnsinnig groß, da glaube ich stark daran, dass das erst ganz am Anfang ist.
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Weil es gibt so wahnsinnig viele Anwendungen und so wahnsinnig viele Ineffizienzen in vielen,
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vielen Bereichen, die ganzen Vertragswerke, wo viele Leute daran arbeiten, wo man es viel leichter hätte,
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wenn die eben letztlich tokenized werden, irgendwo auf Krypto basieren würden,
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wo dann Regeln eingebaut werden, wer was dazu beitragen muss und wann sowas fertig ist und
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was passiert auch danach, wenn so ein Vertrag erfüllt ist?
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Kann alles automatisch passieren.
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Da braucht man keinen mehr, der sich darum kümmert, also Stichwort Versicherungen.
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Im ganzen Bankenbereich gibt's wahnsinnig viele Leute, die sich beschäftigen mit beim
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Handel von Wertpapieren, die zwischendurch halt gewisse Dinge tun müssen, Verifizierung
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von jemandem, gucken, ob das Geld auch wirklich auf dem Konto eingegangen ist,
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gucken, von wem das kommt usw. Braucht man alles nicht mehr!
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Kann man komplett eigentlich einstampfen, wenn man eben diese Technologien
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anwenden würde für solche Themen.
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Und ich glaube, da ist das Feld riesig.
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Und da wird viel passieren.
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Also, da sind wir sehr bullish letztlich, dass da große Dinge sich verändern werden
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und viele, ich sag mal, Stufen in der Wertschöpfung, auch heute normale Businesses, vom Hauskauf alleine,
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Grundbucheinträge, kann man alles letztlich mit der Technologie optimieren und viel effizienter machen.
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Man braucht keine Notare mehr eigentlich.
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Die sind überflüssig, komplett für gerade so Grundbuchthemen.
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In den USA Riesenindustrien, die sich mit gerade auch beim Thema Grundstücke oder Gebäude
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mit Title Search beschäftigen und diesen ganzen Themen, braucht man eigentlich alles
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gar nicht mehr, wenn man diese Technologien anwenden würde.
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Also, ich glaube, da ist ein großes Potenzial drin.
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Und deswegen darf man aber nicht so beziehen auf nur jetzt das, was man bei den Währungen sieht,
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wo man wieder liest, dass irgendwo Ethereum Bitcoin überholt hat.
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Das ist nicht unbedingt das Thema, was darunter liegt eigentlich
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und was die Relevanz von dieser ganzen Technologie ausmacht.
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Und da glaube ich stark daran, dass da viel passieren wird.