The age-old sharing economies of Africa -- and why we should scale them | Robert Neuwirth - YouTube

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Übersetzung: P Hakenberg Lektorat: Klaus Ackermann
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Ich mache jetzt
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ein Gedankenexperiment.
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Vielleicht kennen Sie dieses Buch von diesem Herrn oder haben es sogar gelesen.
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Es ist wahrscheinlich der erste und vielleicht der einzige Bestseller
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der jemals über Ökonomie geschrieben wurde.
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Vermutlich wissen Sie auch etwas über seinen Inhalt.
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Es behandelt die erfolgreiche Entwicklung von Nationen auf der ganzen Welt
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durch das individuelle Streben nach individuellem Profit.
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Individueller Profit als Mechanismus für den Wohlstand der Welt.
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Das Lustige an Adam Smith ist,
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dass er ein Stubenhocker war.
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Er ist eigentlich nie weiter von Edinburgh weggegangen
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als bis nach Frankreich und die Schweiz.
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In meinem Gedankenexperiment stellen wir uns vor,
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was passiert wäre, wenn Adam Smith Afrika besucht hätte.
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Zum Glück ist das einfach zu beantworten,
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weil der arabische Anwalt und Reisende Ibn Battuta
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im 14. Jahrhundert die Ostküste Afrikas entlang reiste.
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Als er nach Mogadischu kam, fand er einen Markt
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und schrieb darüber.
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Kamen Handelsschiffe zum Hafen,
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durften sie nicht anlegen.
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Sie mussten im Hafen vor Anker gehen
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und Boote kamen zu ihnen
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und Einheimische wählten sie aus und sagten:
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"Du bist mein Gast, ich bin dein Makler."
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Sie mussten ihre Geschäfte über den lokalen Makler machen,
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und wenn sie ohne den Broker Geschäfte machten,
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konnten sie vor Gericht gestellt werden und der Handel annulliert werden
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und sie aus der Stadt gewiesen werden.
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Durch diesen Mechanismus waren alle erfolgreich.
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Wenn das Adam Smith wäre, könnte er wie dieser Typ aussehen
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und sagen: "Ah! Das ist eine Solidargemeinschaft.
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Das ist ein freier 'Wir teilen den Wohlstand'-Markt."
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Und als ich diese Frage Christian [Benimana] stellte
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der zu Beginn der Veranstaltung hier oben war,
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sagte er, wenn Adam Smith nach Afrika gekommen wäre,
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dann hätte es lange vor Airbnb und Uber eine Sharing Economy gegeben.
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Und so ist es.
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Wenn wir das heute machen würden,
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wäre das sehr interessant.
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Es würde viel Geld in die Länder fließen.
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Dies sind nur ca.10% der Exporte dieser Länder.
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Interessant ist, dass diese Solidarökonomie noch existiert.
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Wir können Beispiele an den seltsamsten Orten finden.
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Das ist der Internationale Markt in Alaba.
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Das ist der größte Elektronikmarkt in Westafrika
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mit 10.000 Händlern.
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Sie machen jedes Jahr rund vier Milliarden Dollar Umsatz.
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Sie sagen, sie seien glühende Apostel von Adam Smith:
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Wettbewerb ist großartig, jeder von uns macht es allein,
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die Regierung hilft uns nicht.
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Die interessante Realität ist, dass, wenn man weiter nachfragt,
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das nicht der Grund für das Wachstum des Markts ist.
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Es gibt ein Prinzip hinter den Kulissen
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das diesen Markt befähigt zu wachsen.
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Sie behaupten, es sei eine interessante Kombination
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von King James Bibel und "How To Sell Yourself".
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Das ist ihre Botschaft, sagen sie.
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In Wirklichkeit wird dieser Markt jedoch von einem Prinzip des Teilens beherrscht.
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Wenn Sie fragen: "Wie haben Sie den globalen Handel angefangen?",
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sagt Ihnen jeder Händler: "Als mein Meister mich angesiedelt hat."
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Als mir endlich einfiel zu fragen: "Was bedeutet dieses 'ansiedeln'?",
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erfuhr ich, dass, wenn man seine Ausbildung gemacht hat,
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derjenige, für den man gearbeitet hat,
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verpflichtet -- verpflichtet -- ist, Ihre geschäftliche Existenz aufzubauen.
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Das heißt, er zahlt zwei oder drei Jahre lang Ihre Miete
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und gibt Ihnen Startkapital,
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damit Sie raus in die Welt gehen und Handel treiben können.
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Das ist lokal beschafftes Risikokapital.
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Und ich kann fast mit Sicherheit sagen,
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dass das Igbo-Ausbildungssystem, das den internationalen Markt von Alaba reguliert,
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das größte Gründerzentrum der Welt ist.
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Wir finden weitere Beispiele für Wirtschaftsformen des Teilens --
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Karusselle, Gemeinschaften, wie sie in fast jedem Elendsviertel vorkommen.
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Sie heißen anders in anderen Kulturen, so heißen sie in Kenia.
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So kann man Geld beschaffen.
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Es ist ein gemeinsamer Topf -- wöchentlich legt man Geld zusammen
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und ein Mitglied der Gruppe bekommt das Geld,
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und kann es für alles ausgeben, was es braucht.
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Dann gibt es "Acequias".
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Das ist ein spanisches Wort, aber es kommt aus dem nordafrikanischen Arabisch.
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"Saqiya" bedeutet "Wasserrad".
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Die Acequia ist ein Solidarsystem für knappes Wasser.
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Es kam von Nordafrika nach Spanien
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und von Spanien in den Westen der Vereinigten Staaten,
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wo es heute noch genutzt wird.
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Das Wasser wird nach Bedarf verteilt,
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und nicht danach, wer zuerst da war.
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Mit allem Respekt -- im Gegensatz zu dem, was Llew [Claasen] gesagt hat,
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als er gestern über Blockchains und Kryptowährungen sprach:
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es gibt keinen Niedergang der Gemeingüter.
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Menschen in Acequias haben die knappen Wasserressourcen gemeinsam verwaltet
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über Hunderte und Aberhunderte von Jahren.
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Mit diesem Gedankenexperiment wollte ich ein wenig weiter gehen
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und darauf hinweisen, dass diese Dinge gemeinschaftlich verwaltet werden,
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um sich um knappes Kapital, knappes Geld
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und knappe Ressourcen zu kümmern.
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Und mir scheint, dass wir tatsächlich zwei Arten von Kapitalismus haben.
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Wir haben den Kapitalismus derer an der Spitze.
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Das sind sehr interessante Statistiken,
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weil drei Tausendstel eines Prozents der nigerianischen Bevölkerung
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kontrollieren ein Vermögen, das einem Viertel des BIP des Landes entspricht.
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Ein Hundertstel eines Prozents der kenianischen Bevölkerung
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kontrollieren ein Vermögen, das 75% des BIP des Landes entspricht.
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Das ist der Kapitalismus derer an der Spitze.
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Und allen anderen geht es wie ihm hier,
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der Brettspiele und Bodybuilding-Ausrüstung
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in einem Stau auf der Autobahn in Lagos verkauft.
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Wenn Sie Brettspiele und Bodybuilding- Ausrüstung in einem Stau verkaufen,
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muss es wohl ein wirklich übler Stau sein, nicht wahr?
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Wer von uns so wirtschaften muss,
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ist gefangen in dem, was ich den "Kapitalismus des Verfalls" nenne,
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weil es keine Möglichkeit gibt, da rauszukommen,
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weil ihnen die Ressourcen fehlen,
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die wir eben bei der Ökonomie des Teilens besprochen haben.
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Und sie stolpern über
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die These von Cassava und Kapitalismus,
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wonach Cassava [Maniok] verarbeitet werden muss, um nicht giftig zu sein,
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und ich möchte behaupten, dass die Marktwirtschaft in ähnlicher Weise
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bearbeitet werden muss, um allen gerecht zu werden.
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Wir müssen also auf das schauen, was ich die "Wirtschaft von unten" nenne.
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Diese Modelle des Teilens, die da draußen existieren,
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die man propagieren und im großen Maßstab verwenden muss.
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Okay?
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Und wenn wir diese Dinge propagieren,
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können wir anfangen, Infrastruktur für alle aufzubauen
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und damit sicherstellen, dass Gemeinschaften
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ihre Entwicklung selbst bestimmen können.
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Das, meine ich, ist, was die Welt braucht
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und, so möchte ich behaupten, was wir in Afrika brauchen.
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Ich möchte gerne Steve Biko zitieren,
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denn es ist wirklich wichtig, Steve Biko zu zitieren,
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weil im nächsten Monat, am 12. September,
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der 40. Jahrestag seiner Ermordung durch den südafrikanischen Staat ist.
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Sie können das Zitat lesen.
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Er sagte im Grunde, dass wir nicht hier sind, um zu konkurrieren.
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Ich liebe dieses Zitat:
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" ... uns als eine Gemeinschaft von Geschwistern zu erschaffen,
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vereint im Streben nach gemeinschaftlichen Lösungen für die Probleme des Lebens."
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Er sagte auch, dass "die großen Mächte der Welt wahre Wunder vollbracht haben,
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als sie uns industriell und militärisch prägten ...",
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wir diesen militärisch-industriellen Komplex jedoch nicht kopieren müssen,
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weil Afrika die Dinge anders machen kann
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und der Welt ihr menschliches Gesicht wiedergeben kann.
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Was ich also hier anregen möchte:
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Wir haben die Möglicheit.
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Wir sind alle hier in einer Umgebung, in der wir einvernehmlich handeln können.
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Und die Reise beginnt jetzt.
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Vielen Dank.
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(Beifall)