How to Raise Successful Kids -- Without Over-Parenting | Julie Lythcott-Haims | TED - YouTube

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Übersetzung: Sarah Wygowski Lektorat: Tanja Daub
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Wissen Sie, ich hatte nicht vor, Erziehungsexpertin zu werden.
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Eigentlich bin ich nicht per se an Erziehung interessiert.
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Aber es gibt heutzutage einen gewissen Stil der Erziehung,
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der irgendwie unsere Kinder vermurkst,
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sie daran hindert, sich zu entwickeln.
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Dieser bestimmte Erziehungsstil von heute
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versperrt uns den Weg.
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Ich will damit sagen,
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wir sorgen uns oft viel zu sehr,
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dass Eltern sich nicht genügend in das Leben ihrer Kinder einbringen
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oder in ihre Bildung oder Erziehung,
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und zu Recht.
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Aber am anderen Ende dieses Spektrums
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wird genauso viel Schaden angerichtet,
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wenn Eltern meinen, ein Kind könne nicht erfolgreich sein,
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ohne dass die Eltern es beschützen, bei jeder Gelegenheit vorsorgen,
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jedes Ereignis überwachen, jeden Moment im Detail planen
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und ihr Kind in Richtung einer kleinen Zahl von Unis und Karrieren lenken.
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Wenn wir Kinder so erziehen,
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-- und ich sage "wir",
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denn bei der Erziehung meiner zwei Teenager
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hatte ich selbst diese Tendenzen --
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dann führen unsere Kinder am Ende eine Art Checklisten-Kindheit.
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Und so sieht eine Checklisten-Kindheit aus:
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Wir halten sie sicher und geborgen,
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"gefüttert und bewässert",
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und wollen sicher sein, dass sie gute Schulen besuchen,
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die richtigen Klassen in den richtigen Schulen,
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und dort in den richtigen Fächern die richtigen Noten bekommen.
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Aber nicht nur Noten und Punkte,
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sondern auch Auszeichnungen und Ehrungen
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und Sport, Beschäftigungen, Führungsqualitäten.
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Wir sagen unseren Kindern: Tritt nicht bloß einem Verein bei,
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gründe einen Verein, denn Unis sehen das gerne.
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Und engagier dich freiwillig.
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Zeig der Uni, dass du dich um andere sorgst.
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(Lachen)
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Und all das nur für den erhofften perfekten Abschluss.
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Wir erwarten von unseren Kindern perfekte Leistungen,
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welche uns selbst nie abverlangt wurden.
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Und deshalb, weil so viel gefordert wird,
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denken wir,
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klar müssen wir Eltern mit jedem Lehrer, Schulleiter,
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Trainer und Schiedsrichter diskutieren
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und uns wie der Portier, persönliche Betreuer
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und Sekretär unserer Kinder verhalten.
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Wenn es um unsere wertvollen Kinder geht,
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verwenden wir so viel Zeit, Anstöße zu geben,
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zu drängen, anzudeuten, zu helfen, zu zanken und zu nörgeln,
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um sicher zu gehen, dass sie nichts vermasseln,
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sich keine Türen verbauen,
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ihre Zukunft nicht ruinieren,
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auf dem Weg zu irgendeiner erhofften Zulassung
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für eine kleine Handvoll Unis,
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die fast jeden Bewerber ablehnen.
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Und so fühlt es sich an, ein Kind dieser Checklisten-Kindheit zu sein:
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Erst einmal gibt es nie Zeit zum Spielen.
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Nachmittags ist dafür keine Zeit,
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weil wir denken, dass alles bereichernd sein muss.
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Als ob es bei jeder Hausaufgabe, jedem Test, jeder Tätigkeit
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um alles oder nichts für die Zukunft geht, die wir uns für sie vorstellen.
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Wir entbinden sie von der Hausarbeit
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und wir entbinden sie sogar davon, ausreichend zu schlafen,
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solange sie all Aufgaben auf ihrer Liste abarbeiten.
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In der Checklisten-Kindheit sagen wir, wir wollen sie ja nur glücklich sehen,
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aber wenn sie von der Schule heimkommen,
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fragen wir allzu oft als erstes
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nach ihren Hausaufgaben und ihren Noten.
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Sie sehen in unseren Gesichtern,
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dass unsere Anerkennung, unsere Liebe,
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dass ihr wahrhaftiger Wert,
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durch Einsen entsteht.
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Und dann laufen wir neben ihnen her
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und gackern unser Lob wie ein Trainer bei der "Westminster Dog Show" --
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(Lachen)
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und überreden sie, noch ein bisschen höher zu springen, etwas weiter aufzusteigen,
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Tag für Tag für Tag.
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Wenn sie ins Gymnasium kommen,
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sagen sie nicht: "Welches Fach interessiert mich
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oder welches Hobby reizt mich?"
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Sie fragen den Beratungslehrer:
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"Was muss ich machen, um an die richtige Uni zu kommen?"
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Wenn dann die ersten Noten des Gymnasiums ins Haus flattern
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und sie ein paar Zweien bekommen,
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oder, Gott bewahre, einige Dreier,
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schreiben sie verzweifelt ihren Freunden
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und fragen: "Ist jemals jemand mit diesen Noten an die richtige Uni gekommen?"
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Und unsere Kinder sind,
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ganz egal, wo sie am Ende des Gymnasiums stehen,
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völlig außer Atem.
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Sie sind angeschlagen.
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Sie sind ein bisschen erschöpft.
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Sie sind etwas vor ihrer Zeit gealtert
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und wünschen sich, die Erwachsenen hätten gesagt: "Du hast genug getan,
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du hast dich in deiner Kindheit genug angestrengt."
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Sie gehen ein, unter hohen Raten von Angst und Depression,
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und einige von ihnen fragen sich:
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"Wird dieses Leben die ganze Anstrengung jemals wert sein?"
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Wir Eltern sind uns ziemlich sicher, dass es das alles wert ist.
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Es scheint so,
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als glaubten wir wirklich, sie hätten keine Zukunft,
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wenn sie nicht in einer dieser wenigen Unis oder Karrieren landen,
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in der wir sie sehen.
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Oder vielleicht haben wir nur Angst davor,
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mit ihrer Zukunft nicht angeben zu können,
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sei es vor Freunden oder mit Autoaufklebern.
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Ja.
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(Applaus)
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Aber wenn Sie sich ansehen, was wir da tun,
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wenn Sie den Mut haben, wirklich hinzusehen,
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sehen Sie, dass nicht nur unsere Kinder denken, ihr Wert als Person
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komme von Noten und Punkten,
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sondern dass wir, wenn wir uns da oben
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in ihrem kostbaren, sich entwickelnden Verstand ausleben
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wie in unserer eigenen Version des Films "Being John Malkovich",
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unseren Kindern mitteilen:
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"Hey Kind, ich glaube nicht, dass du davon irgendwas auch ohne mich hinkriegst".
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So kommt es, dass wir durch unsere übermäßige Hilfe,
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die übermäßige Behütung und Leitung und das An-der-Hand-Halten
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unseren Kinder die Chance für Selbstwirksamkeit rauben,
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welche ein wirklich fundamentaler Grundsatz der menschlichen Psyche ist;
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viel wichtiger als das Selbstbewusstsein,
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das sie immer bekommen, wenn wir applaudieren.
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Selbstwirksamkeit entsteht wenn man sieht, dass das eigene Handeln Resultate erzeugt,
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nicht --
[388]
Da haben Sie's.
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(Applaus)
[393]
Nicht die Handlungen der Eltern für einen selbst,
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sondern die eigenen Handlungen bringen Resultate.
[400]
Also einfach gesagt,
[401]
wenn unsere Kinder Selbstwirksamkeit entwickeln sollen, und das müssen sie,
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dann müssen sie viel mehr denken, planen, entscheiden,
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tun, hoffen, ertragen, ausprobieren und scheitern,
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träumen und erleben --
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allein für sich.
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Will ich damit etwa sagen,
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dass jedes Kind fleißig und motiviert ist
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und das Engagement und Interesse der Eltern nicht braucht
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und wir einfach zurücktreten und sie loslassen sollten?
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Zur Hölle, nein!
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(Gelächter)
[434]
Das sage ich nicht.
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Ich sage nur, wenn wir Noten, Punkte, Auszeichnungen und Ehrungen
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als Ziel der Kindheit ansehen,
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mit dem wir die Zulassung zu einer kleinen Anzahl an Unis fördern wollen
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oder den Eintritt in eine bestimmte Karriere,
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dass das für unsere Kinder eben eine zu begrenzte Definition von Erfolg ist.
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Auch wenn wir ihnen auf kurze Sicht helfen, Ziele zu erreichen,
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indem wir übermäßig helfen --
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z.B. bekommen sie eine bessere Note, wenn wir bei den Hausaufgaben helfen,
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ihr Kindheits-Lebenslauf wird länger, wenn wir dabei helfen --
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all das hat langfristige Konsequenzen
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für ihr Bild über sich selbst.
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Wir sollten uns weniger um eine bestimmte Auswahl an Unis sorgen,
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für die sie sich qualifizieren oder die sie besuchen könnten,
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und uns mehr darum kümmern, dass sie die Gewohnheiten, Einstellungen, Kenntnisse
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und das Wohlsein haben, um erfolgreich zu sein, wohin auch immer sie gehen.
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Ich möchte damit sagen,
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es ist wichtig für unsere Kinder, dass wir weniger besessen von Noten sind
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und viel mehr daran interessiert sind,
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dass Kindheit das Fundament für ihren Erfolg schafft,
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aufbauend auf Dingen wie Liebe
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und Hausabeit.
[508]
(Gelächter)
[510]
(Applaus)
[515]
Habe ich gerade Hausarbeit gesagt? Ja, das habe ich.
[519]
Im Ernst, ich sage Ihnen, warum:
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Die längste je durchgeführte Längsschnittstudie mit Menschen,
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nennt sich Harvard Grant Study.
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Sie zeigte, dass beruflicher Erfolg im Leben,
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den wir für unsere Kinder wollen,
[533]
dann vorkommt, wenn als Kind bei der Hausarbeit geholfen wurde,
[537]
je früher man angefangen hat, desto besser,
[539]
dass eine praktische Hands-On-Mentalität,
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dass die Einstellung, bei unangenehmen Aufgaben
[544]
mitanzupacken, denn einer muss es ja tun --
[546]
Ja, die Einstellung:
[548]
"Ich werde mich anstrengen und zur Besserung des Ganzen beitragen"
[551]
-- diese Einstellung bringt Sie am Arbeitsplatz weiter.
[554]
Wir alle wissen das. Sie wissen das.
[557]
(Applaus)
[560]
Wir alle wissen das. Trotzdem entbinden wir in der Checklisten-Kindheit
[563]
unsere Kinder von Aufgaben im Haus,
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weshalb sie als junge Erwachsene auf der Arbeit
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immer noch auf eine Checkliste warten,
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die aber nicht existiert,
[573]
und, was wichtiger ist, nicht den Impuls, den Instinkt haben,
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ihre Ärmel hochzukrämpeln und anzupacken,
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sich umzuschauen und sich zu fragen: "Wie kann ich meinen Kollegen helfen?
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Wie kann ich vorhersehen, was mein Chef brauchen könnte?"
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Ein zweiter wichtiger Fund der Harvard Grant Study besagt,
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dass Zufriedenheit im Leben
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aus Liebe erwächst;
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nicht Liebe zur Arbeit,
[599]
sondern Liebe zu Menschen:
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unserem Ehepartner, unserem Partner, unseren Freunden, unserer Familie.
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Deshalb muss Kindheit unseren Kindern beibringen, zu lieben,
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denn sie können andere nicht lieben, ohne sich selbst zu lieben
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und sie werden sich nicht selbst lieben, wenn wir sie nicht bedingungslos lieben.
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(Applaus)
[621]
Genau.
[625]
Anstatt also von Noten und Punkten besessen zu sein,
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müssen wir, wenn unser kostbarer Nachwuchs heimkommt
[631]
oder wenn wir heimkommen,
[632]
unsere Technik zuklappen, unsere Handys weglegen,
[635]
ihnen in die Augen sehen
[636]
und sie die Freude sehen lassen, die unsere Gesichter erhellt,
[639]
wenn wir unser Kind nach einigen Stunden das erste Mal wieder sehen,
[643]
dann müssen wir fragen:
[645]
"Wie war dein Tag?
[647]
Was hat dir am heutigen Tag gefallen?"
[650]
Und wenn Ihre Teenager-Tochter, so wie meine, sagt: "die Mittagspause"
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und ich aber vom Mathetest hören will,
[656]
nicht von der Mittagspause,
[657]
dann müssen Sie trotzdem nach der Mittagspause fragen.
[660]
Sie müssen fragen: "Was war heute an der Mittagspause so schön?"
[664]
Sie müssen wissen, dass sie uns als Menschen etwas bedeuten
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und nicht wegen ihres Notendurchschnitts.
[671]
Okay, Sie denken jetzt: "Hausarbeit und Liebe,
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schön und gut, aber kommen Sie schon.
[676]
Unis wollen Bestnoten sehen
[679]
und Auszeichnungen und Ehrungen!" Ich sage Ihnen: Ja, irgendwie schon.
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Die größten Schulen mit Markennamen wollen das von unseren jungen Erwachsenen.
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Die gute Nachricht:
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Im Gegensatz zu dem, was das Tamtam um Uni-Ranglisten uns glauben machen will --
[698]
(Applaus)
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muss man nicht eine der größten Markenschulen besuchen,
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um glücklich und erfolgreich zu sein.
[708]
Zufriedene und erfolgreiche Menschen gingen auf öffentliche Schulen,
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kleine Unis, von denen keiner gehört hat,
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gingen zur Volkshochschule,
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gingen hier zur Uni und schmissen das Studium.
[718]
(Applaus)
[725]
Der Beweis ist hier in diesem Raum, in unseren Gemeinden,
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das ist die Wahrheit.
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Öffnen wir unsere Scheuklappen
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und sind bereit, mehr Unis zu erwägen,
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und nehmen wir vielleicht unser eigenes Ego aus der Gleichung,
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dann könnten wir diese Wahrheit akzeptieren und verstehen,
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dass es kaum das Ende der Welt ist,
[743]
wenn unsere Kinder nicht eine dieser Markenschulen besuchen.
[747]
Noch wichtiger ist:
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Wenn ihre Kindheit nicht nach einer tyrannischen Checkliste gelebt haben,
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werden sie, wenn sie an der Uni sind,
[756]
an welcher auch immer,
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aus freien Stücken dorthin gegangen sein,
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angetrieben durch ihre eigenen Wünsche,
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fähig und bereit, dort zu aufzublühen.
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Ich muss Ihnen etwas gestehen.
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Ich habe, wie bereits erwähnt, zwei Kinder, Sawyer und Avery.
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Sie sind beide Teenager.
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Und es gab eine Zeit,
[778]
in der ich Sawyer und Avery behandelt habe
[780]
wie kleine Bonsaibäume --
[782]
(Gelächter)
[785]
die ich vorsichtig stutzen und zurückschneiden
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und in perfekte kleine Abbilder von Menschen formen würde,
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die gerade perfekt genug sein könnten, um ihnen die Zulassung
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für eine der hochselektiven Unis zu sichern.
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Aber durch die Arbeit mit vielen Kindern anderer Menschen wurde mir klar --
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(Gelächter)
[806]
und durch die Erziehung zweier eigener Kinder,
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dass meine Kinder keine Bonsai-Bäume sind.
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Sie sind Wildblumen
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einer unbekannten Gattung und Spezies --
[819]
(Gelächter)
[820]
und es ist mein Job, sie mit einem gesunden Umfeld auszustatten,
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sie durch Hausarbeit zu stärken
[826]
und sie zu lieben, damit sie andere lieben und Liebe annehmen können --
[831]
Und die Uni, der Abschluss, die Karriere?
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Das liegt ganz bei ihnen.
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Mein Job ist es nicht, sie zu dem zu machen, was ich möchte,
[841]
sondern sie darin zu unterstützen, ihr prächtiges Selbst zu werden.
[847]
Danke.
[848]
(Applaus)