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How to Raise Successful Kids -- Without Over-Parenting | Julie Lythcott-Haims | TED - YouTube
Channel: unknown
[0]
Übersetzung: Sarah Wygowski
Lektorat: Tanja Daub
[12]
Wissen Sie, ich hatte nicht vor,
Erziehungsexpertin zu werden.
[16]
Eigentlich bin ich nicht per se
an Erziehung interessiert.
[20]
Aber es gibt heutzutage
einen gewissen Stil der Erziehung,
[24]
der irgendwie unsere Kinder vermurkst,
[28]
sie daran hindert, sich zu entwickeln.
[33]
Dieser bestimmte Erziehungsstil von heute
[35]
versperrt uns den Weg.
[36]
Ich will damit sagen,
[38]
wir sorgen uns oft viel zu sehr,
[40]
dass Eltern sich nicht genügend
in das Leben ihrer Kinder einbringen
[44]
oder in ihre Bildung oder Erziehung,
[46]
und zu Recht.
[47]
Aber am anderen Ende dieses Spektrums
[50]
wird genauso viel Schaden angerichtet,
[52]
wenn Eltern meinen,
ein Kind könne nicht erfolgreich sein,
[55]
ohne dass die Eltern es beschützen,
bei jeder Gelegenheit vorsorgen,
[59]
jedes Ereignis überwachen,
jeden Moment im Detail planen
[63]
und ihr Kind in Richtung einer kleinen
Zahl von Unis und Karrieren lenken.
[70]
Wenn wir Kinder so erziehen,
[73]
-- und ich sage "wir",
[74]
denn bei der Erziehung
meiner zwei Teenager
[77]
hatte ich selbst diese Tendenzen --
[80]
dann führen unsere Kinder am Ende
eine Art Checklisten-Kindheit.
[85]
Und so sieht eine
Checklisten-Kindheit aus:
[87]
Wir halten sie sicher und geborgen,
[90]
"gefüttert und bewässert",
[93]
und wollen sicher sein,
dass sie gute Schulen besuchen,
[96]
die richtigen Klassen
in den richtigen Schulen,
[98]
und dort in den richtigen Fächern
die richtigen Noten bekommen.
[101]
Aber nicht nur Noten und Punkte,
[103]
sondern auch Auszeichnungen und Ehrungen
[106]
und Sport, Beschäftigungen,
Führungsqualitäten.
[108]
Wir sagen unseren Kindern:
Tritt nicht bloß einem Verein bei,
[111]
gründe einen Verein,
denn Unis sehen das gerne.
[113]
Und engagier dich freiwillig.
[115]
Zeig der Uni, dass du dich
um andere sorgst.
[117]
(Lachen)
[120]
Und all das nur für den erhofften
perfekten Abschluss.
[125]
Wir erwarten von unseren Kindern
perfekte Leistungen,
[127]
welche uns selbst nie abverlangt wurden.
[131]
Und deshalb, weil so viel gefordert wird,
[133]
denken wir,
[134]
klar müssen wir Eltern
mit jedem Lehrer, Schulleiter,
[137]
Trainer und Schiedsrichter diskutieren
[140]
und uns wie der Portier,
persönliche Betreuer
[143]
und Sekretär unserer Kinder verhalten.
[147]
Wenn es um unsere wertvollen Kinder geht,
[149]
verwenden wir so viel Zeit,
Anstöße zu geben,
[151]
zu drängen, anzudeuten, zu helfen,
zu zanken und zu nörgeln,
[156]
um sicher zu gehen,
dass sie nichts vermasseln,
[159]
sich keine Türen verbauen,
[161]
ihre Zukunft nicht ruinieren,
[164]
auf dem Weg zu irgendeiner
erhofften Zulassung
[166]
für eine kleine Handvoll Unis,
[169]
die fast jeden Bewerber ablehnen.
[174]
Und so fühlt es sich an, ein Kind
dieser Checklisten-Kindheit zu sein:
[179]
Erst einmal gibt es nie Zeit zum Spielen.
[182]
Nachmittags ist dafür keine Zeit,
[184]
weil wir denken, dass alles
bereichernd sein muss.
[187]
Als ob es bei jeder Hausaufgabe,
jedem Test, jeder Tätigkeit
[190]
um alles oder nichts für die Zukunft geht,
die wir uns für sie vorstellen.
[195]
Wir entbinden sie von der Hausarbeit
[198]
und wir entbinden sie sogar davon,
ausreichend zu schlafen,
[201]
solange sie all Aufgaben
auf ihrer Liste abarbeiten.
[206]
In der Checklisten-Kindheit sagen wir,
wir wollen sie ja nur glücklich sehen,
[210]
aber wenn sie von der Schule heimkommen,
[212]
fragen wir allzu oft als erstes
[215]
nach ihren Hausaufgaben und ihren Noten.
[218]
Sie sehen in unseren Gesichtern,
[220]
dass unsere Anerkennung, unsere Liebe,
[223]
dass ihr wahrhaftiger Wert,
[224]
durch Einsen entsteht.
[226]
Und dann laufen wir neben ihnen her
[229]
und gackern unser Lob wie ein
Trainer bei der "Westminster Dog Show" --
[234]
(Lachen)
[235]
und überreden sie, noch ein bisschen höher
zu springen, etwas weiter aufzusteigen,
[240]
Tag für Tag für Tag.
[243]
Wenn sie ins Gymnasium kommen,
[245]
sagen sie nicht:
"Welches Fach interessiert mich
[248]
oder welches Hobby reizt mich?"
[249]
Sie fragen den Beratungslehrer:
[251]
"Was muss ich machen,
um an die richtige Uni zu kommen?"
[254]
Wenn dann die ersten Noten
des Gymnasiums ins Haus flattern
[257]
und sie ein paar Zweien bekommen,
[259]
oder, Gott bewahre, einige Dreier,
[261]
schreiben sie verzweifelt ihren Freunden
[263]
und fragen: "Ist jemals jemand mit diesen
Noten an die richtige Uni gekommen?"
[269]
Und unsere Kinder sind,
[271]
ganz egal, wo sie am Ende
des Gymnasiums stehen,
[275]
völlig außer Atem.
[277]
Sie sind angeschlagen.
[278]
Sie sind ein bisschen erschöpft.
[280]
Sie sind etwas vor ihrer Zeit gealtert
[282]
und wünschen sich, die Erwachsenen
hätten gesagt: "Du hast genug getan,
[286]
du hast dich in deiner Kindheit
genug angestrengt."
[289]
Sie gehen ein, unter hohen Raten
von Angst und Depression,
[293]
und einige von ihnen fragen sich:
[295]
"Wird dieses Leben die ganze
Anstrengung jemals wert sein?"
[301]
Wir Eltern sind uns ziemlich sicher,
dass es das alles wert ist.
[306]
Es scheint so,
[308]
als glaubten wir wirklich,
sie hätten keine Zukunft,
[310]
wenn sie nicht in einer dieser wenigen
Unis oder Karrieren landen,
[315]
in der wir sie sehen.
[317]
Oder vielleicht haben wir nur Angst davor,
[320]
mit ihrer Zukunft nicht angeben zu können,
[323]
sei es vor Freunden
oder mit Autoaufklebern.
[329]
Ja.
[330]
(Applaus)
[336]
Aber wenn Sie sich ansehen,
was wir da tun,
[339]
wenn Sie den Mut haben,
wirklich hinzusehen,
[343]
sehen Sie, dass nicht nur
unsere Kinder denken, ihr Wert als Person
[346]
komme von Noten und Punkten,
[347]
sondern dass wir, wenn wir uns da oben
[349]
in ihrem kostbaren,
sich entwickelnden Verstand ausleben
[352]
wie in unserer eigenen Version
des Films "Being John Malkovich",
[356]
unseren Kindern mitteilen:
[358]
"Hey Kind, ich glaube nicht, dass du davon
irgendwas auch ohne mich hinkriegst".
[363]
So kommt es, dass wir
durch unsere übermäßige Hilfe,
[365]
die übermäßige Behütung und Leitung
und das An-der-Hand-Halten
[368]
unseren Kinder die Chance
für Selbstwirksamkeit rauben,
[372]
welche ein wirklich fundamentaler
Grundsatz der menschlichen Psyche ist;
[376]
viel wichtiger als das Selbstbewusstsein,
[378]
das sie immer bekommen,
wenn wir applaudieren.
[380]
Selbstwirksamkeit entsteht wenn man sieht,
dass das eigene Handeln Resultate erzeugt,
[387]
nicht --
[388]
Da haben Sie's.
[389]
(Applaus)
[393]
Nicht die Handlungen der Eltern
für einen selbst,
[397]
sondern die eigenen Handlungen
bringen Resultate.
[400]
Also einfach gesagt,
[401]
wenn unsere Kinder Selbstwirksamkeit
entwickeln sollen, und das müssen sie,
[406]
dann müssen sie viel mehr denken,
planen, entscheiden,
[411]
tun, hoffen, ertragen,
ausprobieren und scheitern,
[415]
träumen und erleben --
[418]
allein für sich.
[421]
Will ich damit etwa sagen,
[423]
dass jedes Kind fleißig und motiviert ist
[425]
und das Engagement und Interesse
der Eltern nicht braucht
[429]
und wir einfach zurücktreten
und sie loslassen sollten?
[431]
Zur Hölle, nein!
[433]
(Gelächter)
[434]
Das sage ich nicht.
[436]
Ich sage nur, wenn wir Noten, Punkte,
Auszeichnungen und Ehrungen
[439]
als Ziel der Kindheit ansehen,
[441]
mit dem wir die Zulassung zu einer
kleinen Anzahl an Unis fördern wollen
[445]
oder den Eintritt
in eine bestimmte Karriere,
[448]
dass das für unsere Kinder eben eine
zu begrenzte Definition von Erfolg ist.
[453]
Auch wenn wir ihnen auf kurze Sicht
helfen, Ziele zu erreichen,
[456]
indem wir übermäßig helfen --
[457]
z.B. bekommen sie eine bessere Note,
wenn wir bei den Hausaufgaben helfen,
[462]
ihr Kindheits-Lebenslauf wird länger,
wenn wir dabei helfen --
[466]
all das hat langfristige Konsequenzen
[470]
für ihr Bild über sich selbst.
[472]
Wir sollten uns weniger um
eine bestimmte Auswahl an Unis sorgen,
[476]
für die sie sich qualifizieren
oder die sie besuchen könnten,
[479]
und uns mehr darum kümmern, dass sie die
Gewohnheiten, Einstellungen, Kenntnisse
[484]
und das Wohlsein haben, um erfolgreich
zu sein, wohin auch immer sie gehen.
[489]
Ich möchte damit sagen,
[491]
es ist wichtig für unsere Kinder,
dass wir weniger besessen von Noten sind
[495]
und viel mehr daran interessiert sind,
[497]
dass Kindheit das Fundament
für ihren Erfolg schafft,
[503]
aufbauend auf Dingen wie Liebe
[507]
und Hausabeit.
[508]
(Gelächter)
[510]
(Applaus)
[515]
Habe ich gerade Hausarbeit gesagt?
Ja, das habe ich.
[519]
Im Ernst, ich sage Ihnen, warum:
[523]
Die längste je durchgeführte
Längsschnittstudie mit Menschen,
[526]
nennt sich Harvard Grant Study.
[528]
Sie zeigte, dass beruflicher
Erfolg im Leben,
[531]
den wir für unsere Kinder wollen,
[533]
dann vorkommt, wenn als Kind
bei der Hausarbeit geholfen wurde,
[537]
je früher man angefangen
hat, desto besser,
[539]
dass eine praktische Hands-On-Mentalität,
[542]
dass die Einstellung,
bei unangenehmen Aufgaben
[544]
mitanzupacken,
denn einer muss es ja tun --
[546]
Ja, die Einstellung:
[548]
"Ich werde mich anstrengen
und zur Besserung des Ganzen beitragen"
[551]
-- diese Einstellung bringt Sie
am Arbeitsplatz weiter.
[554]
Wir alle wissen das. Sie wissen das.
[557]
(Applaus)
[560]
Wir alle wissen das. Trotzdem
entbinden wir in der Checklisten-Kindheit
[563]
unsere Kinder von Aufgaben im Haus,
[567]
weshalb sie als junge
Erwachsene auf der Arbeit
[569]
immer noch auf eine Checkliste warten,
[572]
die aber nicht existiert,
[573]
und, was wichtiger ist,
nicht den Impuls, den Instinkt haben,
[576]
ihre Ärmel hochzukrämpeln und anzupacken,
[579]
sich umzuschauen und sich zu fragen:
"Wie kann ich meinen Kollegen helfen?
[582]
Wie kann ich vorhersehen,
was mein Chef brauchen könnte?"
[588]
Ein zweiter wichtiger Fund
der Harvard Grant Study besagt,
[592]
dass Zufriedenheit im Leben
[595]
aus Liebe erwächst;
[597]
nicht Liebe zur Arbeit,
[599]
sondern Liebe zu Menschen:
[602]
unserem Ehepartner, unserem Partner,
unseren Freunden, unserer Familie.
[606]
Deshalb muss Kindheit
unseren Kindern beibringen, zu lieben,
[610]
denn sie können andere nicht lieben,
ohne sich selbst zu lieben
[613]
und sie werden sich nicht selbst lieben,
wenn wir sie nicht bedingungslos lieben.
[617]
(Applaus)
[621]
Genau.
[625]
Anstatt also von Noten
und Punkten besessen zu sein,
[628]
müssen wir, wenn unser
kostbarer Nachwuchs heimkommt
[631]
oder wenn wir heimkommen,
[632]
unsere Technik zuklappen,
unsere Handys weglegen,
[635]
ihnen in die Augen sehen
[636]
und sie die Freude sehen lassen,
die unsere Gesichter erhellt,
[639]
wenn wir unser Kind nach einigen Stunden
das erste Mal wieder sehen,
[643]
dann müssen wir fragen:
[645]
"Wie war dein Tag?
[647]
Was hat dir am heutigen Tag gefallen?"
[650]
Und wenn Ihre Teenager-Tochter,
so wie meine, sagt: "die Mittagspause"
[654]
und ich aber vom Mathetest hören will,
[656]
nicht von der Mittagspause,
[657]
dann müssen Sie trotzdem
nach der Mittagspause fragen.
[660]
Sie müssen fragen: "Was war heute
an der Mittagspause so schön?"
[664]
Sie müssen wissen, dass sie uns
als Menschen etwas bedeuten
[667]
und nicht wegen ihres Notendurchschnitts.
[671]
Okay, Sie denken jetzt:
"Hausarbeit und Liebe,
[673]
schön und gut, aber kommen Sie schon.
[676]
Unis wollen Bestnoten sehen
[679]
und Auszeichnungen und Ehrungen!"
Ich sage Ihnen: Ja, irgendwie schon.
[684]
Die größten Schulen mit Markennamen
wollen das von unseren jungen Erwachsenen.
[690]
Die gute Nachricht:
[692]
Im Gegensatz zu dem, was das Tamtam um
Uni-Ranglisten uns glauben machen will --
[698]
(Applaus)
[703]
muss man nicht eine der größten
Markenschulen besuchen,
[706]
um glücklich und erfolgreich zu sein.
[708]
Zufriedene und erfolgreiche Menschen
gingen auf öffentliche Schulen,
[711]
kleine Unis, von denen keiner gehört hat,
[713]
gingen zur Volkshochschule,
[715]
gingen hier zur Uni
und schmissen das Studium.
[718]
(Applaus)
[725]
Der Beweis ist hier in diesem Raum,
in unseren Gemeinden,
[728]
das ist die Wahrheit.
[729]
Öffnen wir unsere Scheuklappen
[731]
und sind bereit, mehr Unis zu erwägen,
[733]
und nehmen wir vielleicht
unser eigenes Ego aus der Gleichung,
[737]
dann könnten wir diese Wahrheit
akzeptieren und verstehen,
[741]
dass es kaum das Ende der Welt ist,
[743]
wenn unsere Kinder nicht
eine dieser Markenschulen besuchen.
[747]
Noch wichtiger ist:
[749]
Wenn ihre Kindheit nicht nach einer
tyrannischen Checkliste gelebt haben,
[754]
werden sie, wenn sie an der Uni sind,
[756]
an welcher auch immer,
[758]
aus freien Stücken dorthin gegangen sein,
[761]
angetrieben durch ihre eigenen Wünsche,
[763]
fähig und bereit, dort zu aufzublühen.
[769]
Ich muss Ihnen etwas gestehen.
[771]
Ich habe, wie bereits erwähnt,
zwei Kinder, Sawyer und Avery.
[774]
Sie sind beide Teenager.
[776]
Und es gab eine Zeit,
[778]
in der ich Sawyer und Avery behandelt habe
[780]
wie kleine Bonsaibäume --
[782]
(Gelächter)
[785]
die ich vorsichtig stutzen
und zurückschneiden
[788]
und in perfekte kleine Abbilder
von Menschen formen würde,
[791]
die gerade perfekt genug sein könnten,
um ihnen die Zulassung
[795]
für eine der hochselektiven
Unis zu sichern.
[798]
Aber durch die Arbeit mit vielen Kindern
anderer Menschen wurde mir klar --
[803]
(Gelächter)
[806]
und durch die Erziehung
zweier eigener Kinder,
[810]
dass meine Kinder keine Bonsai-Bäume sind.
[813]
Sie sind Wildblumen
[816]
einer unbekannten Gattung und Spezies --
[819]
(Gelächter)
[820]
und es ist mein Job, sie mit einem
gesunden Umfeld auszustatten,
[824]
sie durch Hausarbeit zu stärken
[826]
und sie zu lieben, damit sie andere lieben
und Liebe annehmen können --
[831]
Und die Uni, der Abschluss, die Karriere?
[834]
Das liegt ganz bei ihnen.
[835]
Mein Job ist es nicht,
sie zu dem zu machen, was ich möchte,
[841]
sondern sie darin zu unterstützen,
ihr prächtiges Selbst zu werden.
[847]
Danke.
[848]
(Applaus)
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