D-Mark: Noch Milliarden nicht umgetauscht | Umschau | MDR - YouTube

Channel: MDR Mitteldeutscher Rundfunk

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"Umschau"-Reporter Thomas
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auf der Suche nach der verlorenen D-Mark.
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In Chemnitz will er Menschen finden,
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die alte Scheine und Münzen zu Hause bunkern.
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Hallo, guten Tag.
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Wir suchen nach D-Mark.
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Ich habe eine D-Mark
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und die nehme ich für meinen Einkaufswagen.
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Zeigen sie mir die mal.
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Ein Treffer, gleich beim ersten Versuch.
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Und warum tauschen sie die nicht um?
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Na, für eine D-Mark gehe ich nicht auf die Bank.
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Haben sie da noch ein besonderes Gefühl zur D-Mark?
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Eigentlich nicht mehr.
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Bargeld im Wert von 12 Mrd. D-Mark wurde noch immer nicht umgetauscht.
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Aber wo steckt dieses Geld?
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Wir haben nichts mehr. Nicht mal irgendwo in der Ecke?
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Nein, nichts mehr.
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Irgendwo müssen die 12 Mrd. sein, die noch in Umlauf sind.
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Bei Ihnen nicht?
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Nein.
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*Jubel*
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Juli 1990.
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In der DDR wird die Einführung der D-Mark bejubelt.
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Dabei ist ihr Ende längst besiegelt.
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Was kaum jemand weiß:
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Schon 6 Monate zuvor
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hat Bundeskanzler Kohl dem Euro zugestimmt,
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um Frankreich die Deutsche Einheit schmackhaft zu machen.
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Die ersten Euro-Münzen werden 1997 ausgegeben,
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probeweise, in Berlin.
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Doch die Umrechnung: 1 Euro = 1,95583 D-Mark,
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ist etwas kompliziert.
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(Archiv): Umschau 13.5.1997
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Nein, das ist ja zu viel. Das ist zu viel.
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2,4 bekomme ich ja nur.
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Da muss ja ich nochmal einen Kleinen kriegen, 1,5.
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Nun bin ich zufrieden.
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*Gong*
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Im Januar 2002 ist es dann soweit: Der Euro wird eingeführt.
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Guten Morgen.
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Schlange-Stehen fürs neue Geld, wie hier in Halle.
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Für 300 Mio. Menschen in 12 Ländern
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wird der Euro offizielles Zahlungsmittel.
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Es ist die größte Währungs-Umstellung aller Zeiten.
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Ich erwarte eine große Erleichterung bei Reisen durch Europa.
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Erstmal wie Spielgeld. Man muss sich dran gewöhnen.
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Wir haben jahrelang drauf gewartet,
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das Geld in den Händen halten zu können.
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Da kann ich keine Sekunde länger warten.
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Zurück bei unserer Suche nach den verlorenen D-Mark-Beständen.
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Unser Reporter fragt weiter nach.
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1, 2 werde ich noch haben. Wir dürfen reinkommen.
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Ist das eine D-Mark?
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Ich schau mal. Ja, das ist eine D-Mark.
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1 D-Mark.
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Dann gucken wir mal, ob hier noch welche sind.
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3 D-Mark haben wir schon gefunden.
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4, 5 haben wir zusammen.
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Und die kommen aus ihren Sofa-Ritzen?
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Ja, so ungefähr.
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Würden Sie die D-Mark wiederhaben wollen?
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Glaube nicht, das kann so bleiben, wie es ist.
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Und auch bei diesem jungen Mann wird unser Reporter fündig.
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Er zieht gerade um und hat dabei etwas gefunden.
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Hier in der Umzugskiste gibt es tatsächlich ein Säckchen mit D-Mark.
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Es gibt einen Zettel, 31,61.
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Ein Zettel aus Kindheitstagen,
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es müsste noch aus der Spardose von vor 20 Jahren sein.
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2 Mark.
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Konrad Adenauer hinten drauf. 1 Mark.
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Glaubst du, dass das mal eingelöst wird?
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Von mir?
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Ja, ich glaube, dass ich das bald mache.
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Und 16 Euro ist auch nicht so wenig.
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Zurück ins Jahr 2002.
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Münzen und Scheine im Wert von 280 Mrd. DM
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werden über Nacht nicht mehr gebraucht.
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Die Bundesbank lässt sie einschmelzen und schreddern.
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Diese Maschine
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macht aus der geliebten D-Mark innerhalb von Sekunden ...
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... winzige Papierschnitzel.
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Tonnenweise fallen sie jetzt an.
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Aus ihnen wird,
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wie hier in Schwarze Pumpe bei Cottbus,
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Ethanol hergestellt.
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Und daraus z.B. Laminat.
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Die Umschau entdeckt es im Baumarkt.
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(Archiv) Umschau 5.3.2002
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Wenn wir solch ein Panel zerbrechen, kommen wir an das Innenleben ran.
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Sehen kann man die D-Mark
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in diesen Platten allerdings nicht mehr.
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Unsere Suche nach dem vermissten Geld geht weiter.
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Unser Reporter hat Menschen ausfindig gemacht,
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die noch tausende D-Mark gebunkert haben.
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Er ist beim Numismatischen Verein Chemnitz, also bei Geld-Sammlern.
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Eberhard Löser etwa hat 1-DM-Münzen aus jedem Jahr
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und von jedem Münzprägeort.
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Insgesamt besitzt er mehr als 8.000 D-Mark.
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Es ist natürlich idiotisch, das zu sammeln.
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Aber die Sammler, die systematisch sammeln,
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sammeln alle Jahre und alle Münzzeichen.
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Eigentlich als Sammelgut ist es interessant,
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aber eigentlich wertlos.
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Das ist in solchen Stückzahlen da,
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dass das nie eine große Seltenheit erlangt.
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Auch Banknoten gibt es hier.
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Sie sind dagegen eine gute Geldanlage:
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Dieser 200-D-Mark-Schein etwa kostet bei Ebay 419 Euro.
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Mehr als das Vierfache seines Nennwerts.
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Dieser 5er aus den 70ern soll sogar 550 Euro kosten.
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Der Grund: DM-Scheine sind rar.
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Fast alle wurden damals eingetauscht.
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Münzen aber liegen noch zu Millionen in Haushalten herum.
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Ist hier irgendwas dabei, was Wert hat?
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Die Chance ist sehr gering.
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Wir Sammler sagen zu so einer Menge Geld Kiloware.
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Ich würde raten, das zum Umtausch zu bringen.
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Im März 2002
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ist die DM-Mark aus Gastronomie und Handel verschwunden.
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Doch sie erlebt eine Renaissance
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bei Aktionswochen wie "Preise runter, D-Mark her".
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2002 können Kunden bei Karstadt
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in Sachsen-Anhalt mit D-Mark einkaufen.
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Etwa 100.000 Mark werden so wieder umgesetzt.
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In Werdau wird die Mark sogar noch heute als Zahlungsmittel akzeptiert.
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13 Läden in der Innenstadt machen mit.
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Ron Mittag vom Gewerbeverbund
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erklärt unserem Reporter die Idee dahinter.
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Ich sehe schon, Sie haben uns was mitgebracht.
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Die Werdausche D-Mark.
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Warum wird hier noch bezahlt mit D-Mark?
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Seit 20 Jahren gibt es den Euro.
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Vor 20 Jahren haben wir vom Gewerbeverbund schon gesagt,
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bei uns kann man weiterhin mit DM bezahlen.
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Im letzten Jahr haben trotz Corona
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die Bürger über 6.000 Mark noch mit D-Mark bezahlt.
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Aber wie fühlt sich das an, 20 Jahre nach Ende der D-Mark?
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Unser Reporter macht den Test. Zuerst in der Apotheke.
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Umrechnungskurs war 1:1,95583.
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Für 5 D-Mark gibt es 2 Masken. Macht 2,50 DM pro Maske.
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Vielen Dank.
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Ich hab auch seit Langem keinen Fünf-DM-Schein mehr gesehen.
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Weiter geht es im Restaurant.
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Und hier im Hotel Friesen
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soll es noch Kaffee und Kuchen für DM geben.
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D-Mark-Aktionswochen
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verspricht ein großes Schild am Eingang.
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Die sind hier immer.
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Chef Michael Jubelt bringt die Karte.
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Sind das auch noch D-Mark-Preise, oder rechnen sie mit Euro?
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Wir rechnen schon mit Euro.
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Wir haben zwar noch Karten von früher mit D-Mark,
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aber das wäre ein Minus-Geschäft.
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Eine Tasse Kaffee und Apfelstrudel.
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Michael Jubelt
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erzielt noch immer erstaunlich hohe Umsätze mit der D-Mark.
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Das war mal bei einer Familienfeierlichkeit,
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da wurden es 500 DM.
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Und wo haben Sie die her?
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Das war sicherlich bei einer Wohnungsauflösung oder einem Umzug.
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Wir sind gespannt auf die Rechnung.
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Für einen Kaffee und einen Apfelstrudel.
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Das sind ganz genau 14,28 DM. Machen wir 17 Mark.
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Letzte Station.
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Die Filiale der Bundesbank in Chemnitz.
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Eigentlich wollte unser Reporter hier D-Mark umtauschen.
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Doch wegen der Pandemie
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sind alle Filialen derzeit geschlossen.
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12 Mrd. D-Mark sind verschollen.
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Ob sie irgendwann noch auftauchen?
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Wir fragen Johannes Beermann von der Bundesbank.
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Wir erkennen seit 2001,
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dass im Jahr die Einzahlungen etwa um 10% abnehmen.
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Es wird immer weniger.
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Wir sind sicher, einige Scheine und Münzen
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werden die Deutsche Bundesbank gar nicht mehr erreichen.
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Immer wieder gab es Überraschungsfunde
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mit zehntausenden D-Mark.
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Doch auch die werden nun seltener.
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Den kostenlosen Umtausch in Euro will die Bundesbank aber beibehalten.
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Passiert es auch, dass jemand Falschgeld anbringt?
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Auch das kommt heutzutage noch vor.
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Wobei die Fälschung von D-Mark kein Straftatbestand mehr ist,
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weil das keine gültige Währung ist.
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Wir müssen den Betroffenen nur die traurige Mitteilung machen,
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dass das, was sie uns vorgelegt haben,
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leider keine echte D-Mark ist.
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Dann muss der arme Mensch nach Hause gehen.
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Fazit unserer Suchaktion:
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Unser Reporter hat nur kleine DM-Beträge gefunden.
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Die aber bei vielen Haushalten.
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Die DM ist langlebiger als viele gedacht haben.