How to make hard choices | Ruth Chang - YouTube

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Übersetzung: Sabrina Gründlinger Lektorat: Tracey J. Evans
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Denken Sie an eine schwierige Entscheidung in naher Zukunft.
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Vielleicht die Wahl zwischen zwei Berufen --
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Künstlerin oder Buchhalterin --
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oder Wohnorten -- Stadt oder Land --
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oder sogar, wen Sie heiraten --
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Sie könnten Betty heiraten oder Lolita.
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Es könnte die Entscheidung sein, ob Sie Kinder bekommen,
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ein kranker Elternteil zu Ihnen ziehen soll,
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ob Sie Ihr Kind in der Religion erziehen, die Ihr Partner lebt, Sie aber kalt lässt.
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Oder ob Sie Ihre Ersparnisse einem guten Zweck spenden.
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Vermutlich dachten Sie bei harten Entscheidungen
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an etwas Großes, etwas Gewaltiges, etwas, das Ihnen etwas bedeutet.
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Harte Entscheidungen scheinen ein Anlass zu Qual, Händeringen und Zähneknirschen.
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Wir verkennen harte Entscheidungen und ihre Rolle in unserem Leben.
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Harte Entscheidungen zu verstehen, offenbart eine verborgene Kraft,
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die wir alle besitzen.
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Was Entscheidungen hart macht, ist die Beziehung der Alternativen.
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Bei einer leichten Entscheidung ist eine Alternative besser als die andere.
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Bei einer harten Entscheidung ist eine Alternative besser in einer Hinsicht,
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die andere in anderer Hinsicht, und keine ist insgesamt am besten.
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Sie hadern, ob Sie den Job in der Stadt behalten,
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oder Ihr Leben umkrempeln sollen für eine herausfordernde Arbeit am Land,
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weil bleiben in einer Hinsicht besser ist,
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übersiedeln in anderer Hinsicht,
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und keine der Optionen ist eindeutig am besten.
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Nicht jede harte Entscheidung hat eine große Tragweite.
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Angenommen Sie wählen Ihr Frühstück.
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Sie könnten ein ballaststoffreiches Müsli
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oder einen Schoko-Donut essen.
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Die Knackpunkte bei dieser Wahl
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sind Geschmack und Gesundheitswert.
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Das Müsli ist besser für Sie, der Donut schmeckt um Welten besser,
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aber keines ist insgesamt am besten --
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eine harte Entscheidung.
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Die Erkenntnis, dass kleine Entscheidungen auch schwierig sein können,
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kann harte Entscheidungen leichter wirken lassen.
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Wenn wir uns für ein Frühstück entscheiden können,
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dann können wir vielleicht auch zwischen Stadtleben oder Job auf dem Land wählen.
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Wir sollten nicht glauben, dass uns die Wahl schwer fällt, weil wir dumm sind.
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Nach dem Abitur konnte ich mich zwischen
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zwei Berufswegen nicht entscheiden -- Philosophie und Recht.
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Ich liebte Philosophie sehr. (Gelächter)
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Als Philosophin kann man Erstaunliches lernen,
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und alles vom bequemen Lehnstuhl aus.
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Aber ich kam aus einer bescheidenen Immigrantenfamilie.
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Meine Vorstellung von Luxus war
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ein Sandwich mit Schweinezunge in Gelee als Schulbrot.
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Daher schien mir die Idee, mein ganzes Leben
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bloß denkend im Lehnstuhl zu verbringen,
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der Gipfel an Extravaganz und Frivolität.
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Also zückte ich meinen gelben Block und zog einen Strich in der Mitte.
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Ich tat mein Bestes, das Für und Wider jeder der Alternativen abzuwägen.
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Ich erinnere mich, dass ich dachte:
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wenn ich bloß wüsste, wie mein Leben in beiden Berufen aussehen würde.
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Wenn nur Gott oder Netflix mir eine DVD
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über meine zwei möglichen Berufswege schicken würde,
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wäre mir alles klar.
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Ich würde sie nebeneinander vergleichen
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und sehen, welcher besser ist,
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und die Wahl wäre leicht.
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Aber ich bekam keine DVD.
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Weil ich nicht herausbekam, welche Wahl besser war,
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tat ich, was viele bei harten Entscheidungen tun:
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Ich traf die sicherste Wahl.
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Die Angst, als arbeitslose Philosophin zu enden,
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ließ mich Anwältin werden.
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Wie ich herausfand, passte das nicht zu mir.
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Das war nicht ich.
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Jetzt bin ich also Philosophin und erforsche schwierige Entscheidungen.
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Und ich kann Ihnen sagen, die Angst vor dem Unbekannten --
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die uns bei schweren Entscheidungen stark beeinflusst --
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beruht darauf, dass wir sie missverstehen.
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Es ist ein Fehler anzunehmen, dass bei harten Entscheidungen
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eine Alternative tatsächlich besser als die andere ist,
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und wir nur zu dumm sind zu wissen, welche.
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Weil wir die bessere nicht kennen,
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können wir gleich die mit geringerem Risiko nehmen.
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Selbst bei zwei Alternativen mit allen Details nebeneinander
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kann die Wahl noch immer schwer sein.
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Schwere Entscheidungen sind nicht
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wegen uns oder unserer Unwissenheit schwer.
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Sie sind schwierig, weil es keine beste Wahl gibt.
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Wenn es keine beste Wahl gibt,
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wenn die Waage nicht für eine und gegen eine andere Alternative ausschlägt,
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dann müssen die Alternativen doch gleich gut sein.
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Vielleicht ist es richtiger zu sagen, dass harte Entscheidungen
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zwischen gleich guten Optionen gefällt werden.
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Das kann nicht stimmen.
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Wenn Alternativen gleich gut sind, müsste man nur eine Münze werfen.
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Aber es scheint falsch, zu denken,
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dass man so zwischen zwei Berufen, Wohnorten oder Ehepartnern wählen sollte:
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Wirf eine Münze.
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Es gibt noch einen Grund, der nahelegt,
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dass es bei harten Entscheidungen
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nicht um die Wahl zwischen gleich guten Optionen geht.
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Angenommen, Sie müssen zwischen zwei Berufen wählen:
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Sie könnten Investmentbankerin oder Grafikerin werden.
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Bei so einer Wahl spielen viele Faktoren eine Rolle:
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wie spannend die Arbeit ist,
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das Erlangen finanzieller Sicherheit,
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Zeit eine Familie zu gründen und so weiter.
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Vielleicht werden Sie als Künstlerin eine Vorreiterin
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neuer Formen bildlichen Ausdrucks.
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Vielleicht werden Sie als Bankerin eine Vorreiterin
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neuer Formen finanzieller Kunstgriffe. (Gelächter)
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Stellen Sie sich die zwei Berufe nach Belieben vor,
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aber so, dass keiner besser ist als der andere.
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Angenommen, wir machen einen etwas besser.
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Angenommen, die Bank umwirbt Sie
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und bietet 500 Dollar mehr Monatsgehalt.
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Macht das zusätzliche Geld den Bankjob nun
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besser als den des Künstlers?
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Nicht unbedingt.
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Ein höheres Gehalt macht den Bankjob besser, als er war --
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nur reicht das vielleicht nicht,
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um das Leben als Banker besser zu machen als das Leben als Künstler.
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Wenn aber eine Verbesserung in einem der Jobs
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ihn nicht besser als den anderen macht,
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dann können die beiden Jobs von vornherein nicht gleich gut gewesen sein.
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Wenn zwei Dinge eingangs gleich gut sind,
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und man eines verbessert,
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dann muss es besser als das andere werden.
[400]
Bei Alternativen und harten Entscheidungen ist das nicht der Fall.
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Jetzt haben wir also ein Rätsel.
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Wir haben zwei Jobs.
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Weder ist einer besser als der andere,
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noch sind sie gleich gut.
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Wie sollen wir also entscheiden?
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Etwas scheint hier schiefgegangen zu sein.
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Vielleicht ist die Auswahl selbst das Problem
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und der Vergleich deshalb nicht möglich.
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Aber das kann nicht stimmen.
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Wir wählen ja nicht zwischen zwei Dingen, die man nicht vergleichen kann.
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Wir wägen doch die Vorzüge zweier Berufe gegeneinander ab --
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nicht den Vorzug der Nummer Neun gegenüber einem Teller Spiegeleier.
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Wir können einen Vergleich der Vorzüge zweier Berufe anstellen,
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und wir stellen ihn oft an.
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Ich denke, die Verwirrung entsteht
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durch eine unreflektierte Sicht dessen, was wir als Wert bezeichnen.
[455]
Unbewusst nehmen wir an, dass Werte wie Gerechtigkeit, Schönheit und Güte
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wie wissenschaftliche Größen sind -- wie Länge, Masse und Gewicht.
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Nehmen Sie irgendeine vergleichende Frage, die nicht mit Wert zu tun hat.
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Zum Beispiel die Frage, welcher von zwei Koffern schwerer ist.
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Es gibt nur drei Möglichkeiten.
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Das Gewicht des einen ist größer, kleiner
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oder gleich dem Gewicht des anderen.
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Eigenschaften wie Gewicht
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kann man in realen Zahlen ausdrücken -- wie 1, 2, 3 und so weiter.
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Hinzu kommt, es gibt nur drei mögliche Vergleiche
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zwischen zwei beliebigen realen Zahlen.
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Eine Zahl ist größer, kleiner oder entspricht der anderen.
[500]
Nicht so bei Werten.
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Als Enkel der Aufklärung neigen wir zu der Annahme,
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wissenschaftliches Denken sei der Schlüssel
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zu allem Wichtigen in unserer Welt.
[512]
Aber die Welt der Werte ist anders als die der Wissenschaft.
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Die Dinge der einen Welt kann man in realen Zahlen ausdrücken.
[520]
Die der anderen nicht.
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Wir sollten nicht annehmen,
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dass die Welt des Ist mit ihren Längen und Gewichten
[527]
dieselbe Struktur hat wie die Welt des Soll --
[530]
das, was wir tun sollen.
[532]
Wenn das, was uns wichtig ist --
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die Freude eines Kindes, die Liebe für den Partner --
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nicht in realen Zahlen ausgedrückt werden kann,
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dann gibt es keinen Grund zu der Annahme,
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dass es bei einer Wahl nur drei mögliche Ergebnisse gibt:
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Eine Option ist besser, schlechter oder ebenso gut wie die andere.
[552]
Wir müssen eine neue, vierte Relation einführen,
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die jenseits von besser, schlechter oder gleich beschreibt,
[561]
was bei harten Entscheidungen geschieht.
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Ich sage gerne, dass die Alternativen einander ebenbürtig sind.
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Sind Alternativen einander ebenbürtig, kann es viel ausmachen, welche man wählt.
[572]
Aber das macht eine Alternative nicht besser als die andere,
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sondern das heißt, die Alternativen bewegen sich im selben Wertebereich.
[579]
Sie spielen in derselben Werte-Liga,
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während die Art des Werts sich deutlich unterscheidet.
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Deshalb fällt die Wahl schwer.
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Betrachtet man harte Entscheidungen auf diese Art,
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offenbart sich etwas, das wir über uns selbst nicht wussten.
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Jeder von uns hat die Macht,
[598]
Gründe zu erschaffen.
[601]
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jede Wahl, vor der Sie stehen,
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eine leichte Wahl ist.
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Das heißt, es gibt immer eine beste Option.
[609]
Gibt es eine beste Option,
[610]
dann sollte man diese wählen,
[612]
denn zum Vernünftigsein gehört es,
[614]
das Bessere statt des Schlechteren zu tun --
[617]
zu wählen, wozu man den besten Grund hat.
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In einer solchen Welt hätten wir die besten Gründe,
[624]
schwarze statt rosa Socken zu tragen,
[627]
Müsli anstatt Donuts zu essen,
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in der Stadt statt am Land zu leben, Betty statt Lolita zu heiraten.
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Eine Welt voller leichter Entscheidungen
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würde uns zu Sklaven der Vernunft machen.
[639]
Wenn man darüber nachdenkt -- (Gelächter)
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Es ist verrückt, zu glauben,
[644]
dass Ihnen Vernunftgründe, die man Ihnen gab,
[648]
genau die Hobbys diktiert haben, denen Sie heute frönen,
[655]
genau in dem Haus zu leben, in dem Sie leben,
[658]
genau die Arbeit zu tun, die Sie tun.
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Stattdessen waren Sie mit Alternativen konfrontiert,
[664]
die einander ebenbürtig waren -- mit harten Entscheidungen --,
[667]
und Sie haben eigene Gründe gefunden,
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dieses Hobby, jenes Haus, diesen Job zu wählen.
[674]
Wenn Alternativen sich ebenbürtig sind,
[677]
verstummen die Gründe, die man uns gibt, die uns sagen, ob wir einen Fehler machen,
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und verraten uns nicht, was zu tun ist.
[684]
Hier, im Reich der harten Entscheidungen,
[688]
dürfen wir unsere normative Macht ausüben,
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die Macht, eigene Gründe zu erschaffen,
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uns zu der Art von Person zu machen,
[700]
die das Landleben dem Stadtleben vorzieht.
[705]
Wenn wir zwischen gleichwertigen Möglichkeiten wählen,
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sind wir in der Lage, etwas wirklich Bemerkenswertes zu tun.
[712]
Wir können unser Selbst hinter eine der Optionen stellen.
[716]
Hier stehe ich.
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Das bin ich.
[720]
Ich bin für das Bankwesen.
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Ich bin für Schokoladen-Donuts. (Gelächter)
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Diese Reaktion bei harten Entscheidungen
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ist eine vernünftige Reaktion,
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aber sie ist nicht geleitet durch Gründe, die man an uns heranträgt.
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Sie wird getragen von Gründen, die wir selbst erschaffen haben.
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Wenn wir unsere eigenen Gründe erschaffen,
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um diese zu Person werden und nicht jene,
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werden wir voll und ganz die Menschen, die wir sind.
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Man könnte sagen, wir werden die Autorinnen unseres eigenen Lebens.
[754]
Wenn wir vor schwierigen Entscheidungen stehen,
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sollten wir nicht gegen eine Wand rennen
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und die bessere Option suchen.
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Es gibt keine beste Alternative.
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Anstatt da draußen nach Gründen zu suchen,
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sollten wir hier drin nach Gründen suchen.
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Wer soll ich werden?
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Sie könnten beschließen, eine rosa besockte,
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Müsli-liebende, am Land lebende Bankerin zu sein.
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Und ich könnte beschließen, eine schwarz besockte,
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urbane, Donut-liebende Künstlerin zu sein.
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Wir wir harte Entscheidungen angehen, liegt im Wesentlichen bei uns selbst.
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Menschen, die ihre normative Macht bei harten Entscheidungen nicht ausüben,
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lassen sich treiben.
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Wir alle kennen solche Menschen.
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Ich rutschte in den Anwaltsberuf hinein.
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Ich strebte nicht danach, Anwältin zu sein.
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Ich war nicht fürs Anwalt sein.
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Leute, die sich treiben lassen, erlauben der Welt,
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die Geschichte ihres Lebens zu schreiben.
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Sie lassen Mechanismen von Lob und Bestrafung --
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ein Kopf tätscheln, Angst, die Leichtigkeit einer Option --
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bestimmen, was sie tun.
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Die Lektion in harten Entscheidungen:
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Überlegen Sie, wofür Sie sich einsetzen können,
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wofür Sie sein können.
[833]
Durch die schwierige Entscheidung werden Sie zu genau dieser Person.
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Anstatt einer Quelle von Qual und Furcht
[842]
werden schwierige Entscheidungen zu kostbaren Gelegenheiten für uns,
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um das Besondere am Menschsein zu feiern:
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dass uns die Gründe, die entscheiden, ob unsere Wahl richtig oder falsch ist,
[853]
manchmal ausgehen.
[855]
Hier, wo es um harte Entscheidungen geht, haben wir die Macht,
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Gründe für uns selbst zu erschaffen,
[862]
um die einzigartigen Menschen zu werden, die wir sind.
[866]
Darum sind harte Entscheidungen kein Fluch,
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sondern ein Geschenk des Himmels.
[870]
Vielen Dank.
[871]
(Applaus)