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How to make hard choices | Ruth Chang - YouTube
Channel: unknown
[0]
Übersetzung: Sabrina Gründlinger
Lektorat: Tracey J. Evans
[12]
Denken Sie an eine schwierige
Entscheidung in naher Zukunft.
[16]
Vielleicht die Wahl
zwischen zwei Berufen --
[18]
Künstlerin oder Buchhalterin --
[20]
oder Wohnorten -- Stadt oder Land --
[22]
oder sogar, wen Sie heiraten --
[24]
Sie könnten Betty heiraten oder Lolita.
[28]
Es könnte die Entscheidung sein,
ob Sie Kinder bekommen,
[31]
ein kranker Elternteil
zu Ihnen ziehen soll,
[33]
ob Sie Ihr Kind in der Religion erziehen,
die Ihr Partner lebt, Sie aber kalt lässt.
[38]
Oder ob Sie Ihre Ersparnisse
einem guten Zweck spenden.
[42]
Vermutlich dachten Sie
bei harten Entscheidungen
[44]
an etwas Großes, etwas Gewaltiges,
etwas, das Ihnen etwas bedeutet.
[48]
Harte Entscheidungen scheinen ein Anlass
zu Qual, Händeringen und Zähneknirschen.
[55]
Wir verkennen harte Entscheidungen
und ihre Rolle in unserem Leben.
[60]
Harte Entscheidungen zu verstehen,
offenbart eine verborgene Kraft,
[64]
die wir alle besitzen.
[66]
Was Entscheidungen hart macht,
ist die Beziehung der Alternativen.
[70]
Bei einer leichten Entscheidung ist
eine Alternative besser als die andere.
[74]
Bei einer harten Entscheidung ist
eine Alternative besser in einer Hinsicht,
[78]
die andere in anderer Hinsicht,
und keine ist insgesamt am besten.
[84]
Sie hadern, ob Sie
den Job in der Stadt behalten,
[88]
oder Ihr Leben umkrempeln sollen
für eine herausfordernde Arbeit am Land,
[93]
weil bleiben in einer Hinsicht besser ist,
[95]
übersiedeln in anderer Hinsicht,
[97]
und keine der Optionen
ist eindeutig am besten.
[101]
Nicht jede harte Entscheidung
hat eine große Tragweite.
[104]
Angenommen Sie wählen Ihr Frühstück.
[107]
Sie könnten ein ballaststoffreiches Müsli
[110]
oder einen Schoko-Donut essen.
[112]
Die Knackpunkte bei dieser Wahl
[113]
sind Geschmack und Gesundheitswert.
[116]
Das Müsli ist besser für Sie,
der Donut schmeckt um Welten besser,
[120]
aber keines ist insgesamt am besten --
[123]
eine harte Entscheidung.
[125]
Die Erkenntnis, dass kleine Entscheidungen
auch schwierig sein können,
[129]
kann harte Entscheidungen
leichter wirken lassen.
[133]
Wenn wir uns für ein Frühstück
entscheiden können,
[136]
dann können wir vielleicht auch zwischen
Stadtleben oder Job auf dem Land wählen.
[143]
Wir sollten nicht glauben, dass uns
die Wahl schwer fällt, weil wir dumm sind.
[150]
Nach dem Abitur konnte ich mich zwischen
[152]
zwei Berufswegen nicht entscheiden --
Philosophie und Recht.
[155]
Ich liebte Philosophie sehr.
(Gelächter)
[159]
Als Philosophin kann man
Erstaunliches lernen,
[162]
und alles vom bequemen Lehnstuhl aus.
[166]
Aber ich kam aus einer
bescheidenen Immigrantenfamilie.
[169]
Meine Vorstellung von Luxus war
[170]
ein Sandwich mit Schweinezunge
in Gelee als Schulbrot.
[174]
Daher schien mir die Idee,
mein ganzes Leben
[177]
bloß denkend im Lehnstuhl zu verbringen,
[181]
der Gipfel an Extravaganz und Frivolität.
[185]
Also zückte ich meinen gelben Block
und zog einen Strich in der Mitte.
[189]
Ich tat mein Bestes, das Für und Wider
jeder der Alternativen abzuwägen.
[195]
Ich erinnere mich, dass ich dachte:
[197]
wenn ich bloß wüsste, wie mein Leben
in beiden Berufen aussehen würde.
[202]
Wenn nur Gott oder Netflix mir eine DVD
[205]
über meine zwei möglichen Berufswege
schicken würde,
[208]
wäre mir alles klar.
[209]
Ich würde sie nebeneinander vergleichen
[211]
und sehen, welcher besser ist,
[213]
und die Wahl wäre leicht.
[215]
Aber ich bekam keine DVD.
[217]
Weil ich nicht herausbekam,
welche Wahl besser war,
[220]
tat ich, was viele
bei harten Entscheidungen tun:
[223]
Ich traf die sicherste Wahl.
[226]
Die Angst, als arbeitslose
Philosophin zu enden,
[229]
ließ mich Anwältin werden.
[232]
Wie ich herausfand,
passte das nicht zu mir.
[235]
Das war nicht ich.
[237]
Jetzt bin ich also Philosophin und
erforsche schwierige Entscheidungen.
[241]
Und ich kann Ihnen sagen,
die Angst vor dem Unbekannten --
[244]
die uns bei schweren
Entscheidungen stark beeinflusst --
[249]
beruht darauf, dass wir sie missverstehen.
[252]
Es ist ein Fehler anzunehmen,
dass bei harten Entscheidungen
[255]
eine Alternative tatsächlich besser
als die andere ist,
[258]
und wir nur zu dumm sind
zu wissen, welche.
[260]
Weil wir die bessere nicht kennen,
[262]
können wir gleich die mit
geringerem Risiko nehmen.
[264]
Selbst bei zwei Alternativen
mit allen Details nebeneinander
[269]
kann die Wahl noch immer schwer sein.
[271]
Schwere Entscheidungen sind nicht
[273]
wegen uns oder unserer
Unwissenheit schwer.
[276]
Sie sind schwierig,
weil es keine beste Wahl gibt.
[281]
Wenn es keine beste Wahl gibt,
[283]
wenn die Waage nicht für eine und
gegen eine andere Alternative ausschlägt,
[287]
dann müssen die Alternativen
doch gleich gut sein.
[291]
Vielleicht ist es richtiger zu sagen,
dass harte Entscheidungen
[294]
zwischen gleich guten
Optionen gefällt werden.
[296]
Das kann nicht stimmen.
[298]
Wenn Alternativen gleich gut sind,
müsste man nur eine Münze werfen.
[301]
Aber es scheint falsch, zu denken,
[304]
dass man so zwischen zwei Berufen,
Wohnorten oder Ehepartnern wählen sollte:
[308]
Wirf eine Münze.
[310]
Es gibt noch einen Grund, der nahelegt,
[312]
dass es bei harten Entscheidungen
[314]
nicht um die Wahl zwischen
gleich guten Optionen geht.
[317]
Angenommen, Sie müssen
zwischen zwei Berufen wählen:
[321]
Sie könnten Investmentbankerin
oder Grafikerin werden.
[327]
Bei so einer Wahl spielen
viele Faktoren eine Rolle:
[329]
wie spannend die Arbeit ist,
[332]
das Erlangen finanzieller Sicherheit,
[334]
Zeit eine Familie zu gründen
und so weiter.
[336]
Vielleicht werden Sie als Künstlerin
eine Vorreiterin
[341]
neuer Formen bildlichen Ausdrucks.
[344]
Vielleicht werden Sie
als Bankerin eine Vorreiterin
[347]
neuer Formen finanzieller Kunstgriffe.
(Gelächter)
[351]
Stellen Sie sich die zwei Berufe
nach Belieben vor,
[354]
aber so, dass keiner besser ist
als der andere.
[357]
Angenommen, wir machen einen etwas besser.
[360]
Angenommen, die Bank umwirbt Sie
[363]
und bietet 500 Dollar mehr Monatsgehalt.
[366]
Macht das zusätzliche Geld den Bankjob nun
[370]
besser als den des Künstlers?
[372]
Nicht unbedingt.
[374]
Ein höheres Gehalt macht den Bankjob
besser, als er war --
[379]
nur reicht das vielleicht nicht,
[380]
um das Leben als Banker besser zu machen
als das Leben als Künstler.
[385]
Wenn aber eine Verbesserung
in einem der Jobs
[387]
ihn nicht besser als den anderen macht,
[389]
dann können die beiden Jobs von vornherein
nicht gleich gut gewesen sein.
[393]
Wenn zwei Dinge eingangs gleich gut sind,
[396]
und man eines verbessert,
[397]
dann muss es besser als das andere werden.
[400]
Bei Alternativen und harten Entscheidungen
ist das nicht der Fall.
[405]
Jetzt haben wir also ein Rätsel.
[407]
Wir haben zwei Jobs.
[409]
Weder ist einer besser als der andere,
[411]
noch sind sie gleich gut.
[413]
Wie sollen wir also entscheiden?
[415]
Etwas scheint hier schiefgegangen zu sein.
[420]
Vielleicht ist die Auswahl
selbst das Problem
[423]
und der Vergleich deshalb nicht möglich.
[426]
Aber das kann nicht stimmen.
[427]
Wir wählen ja nicht zwischen zwei Dingen,
die man nicht vergleichen kann.
[432]
Wir wägen doch die Vorzüge
zweier Berufe gegeneinander ab --
[435]
nicht den Vorzug der Nummer Neun gegenüber
einem Teller Spiegeleier.
[439]
Wir können einen Vergleich
der Vorzüge zweier Berufe anstellen,
[445]
und wir stellen ihn oft an.
[448]
Ich denke, die Verwirrung entsteht
[451]
durch eine unreflektierte Sicht dessen,
was wir als Wert bezeichnen.
[455]
Unbewusst nehmen wir an, dass Werte wie
Gerechtigkeit, Schönheit und Güte
[461]
wie wissenschaftliche Größen sind --
wie Länge, Masse und Gewicht.
[467]
Nehmen Sie irgendeine vergleichende Frage,
die nicht mit Wert zu tun hat.
[472]
Zum Beispiel die Frage,
welcher von zwei Koffern schwerer ist.
[475]
Es gibt nur drei Möglichkeiten.
[478]
Das Gewicht des einen ist größer, kleiner
[481]
oder gleich dem Gewicht des anderen.
[484]
Eigenschaften wie Gewicht
[485]
kann man in realen Zahlen ausdrücken --
wie 1, 2, 3 und so weiter.
[489]
Hinzu kommt, es gibt
nur drei mögliche Vergleiche
[492]
zwischen zwei beliebigen realen Zahlen.
[495]
Eine Zahl ist größer, kleiner
oder entspricht der anderen.
[500]
Nicht so bei Werten.
[503]
Als Enkel der Aufklärung
neigen wir zu der Annahme,
[507]
wissenschaftliches Denken
sei der Schlüssel
[509]
zu allem Wichtigen in unserer Welt.
[512]
Aber die Welt der Werte ist anders
als die der Wissenschaft.
[516]
Die Dinge der einen Welt kann man
in realen Zahlen ausdrücken.
[520]
Die der anderen nicht.
[523]
Wir sollten nicht annehmen,
[525]
dass die Welt des Ist
mit ihren Längen und Gewichten
[527]
dieselbe Struktur hat
wie die Welt des Soll --
[530]
das, was wir tun sollen.
[532]
Wenn das, was uns wichtig ist --
[535]
die Freude eines Kindes,
die Liebe für den Partner --
[538]
nicht in realen Zahlen
ausgedrückt werden kann,
[541]
dann gibt es keinen Grund zu der Annahme,
[543]
dass es bei einer Wahl
nur drei mögliche Ergebnisse gibt:
[546]
Eine Option ist besser, schlechter
oder ebenso gut wie die andere.
[552]
Wir müssen eine neue,
vierte Relation einführen,
[556]
die jenseits von besser, schlechter
oder gleich beschreibt,
[561]
was bei harten Entscheidungen geschieht.
[563]
Ich sage gerne, dass die Alternativen
einander ebenbürtig sind.
[567]
Sind Alternativen einander ebenbürtig,
kann es viel ausmachen, welche man wählt.
[572]
Aber das macht eine Alternative
nicht besser als die andere,
[575]
sondern das heißt, die Alternativen
bewegen sich im selben Wertebereich.
[579]
Sie spielen in derselben Werte-Liga,
[581]
während die Art des Werts
sich deutlich unterscheidet.
[586]
Deshalb fällt die Wahl schwer.
[589]
Betrachtet man harte Entscheidungen
auf diese Art,
[592]
offenbart sich etwas, das wir
über uns selbst nicht wussten.
[596]
Jeder von uns hat die Macht,
[598]
Gründe zu erschaffen.
[601]
Stellen Sie sich eine Welt vor,
in der jede Wahl, vor der Sie stehen,
[605]
eine leichte Wahl ist.
[606]
Das heißt, es gibt immer
eine beste Option.
[609]
Gibt es eine beste Option,
[610]
dann sollte man diese wählen,
[612]
denn zum Vernünftigsein gehört es,
[614]
das Bessere statt
des Schlechteren zu tun --
[617]
zu wählen, wozu man den besten Grund hat.
[620]
In einer solchen Welt
hätten wir die besten Gründe,
[624]
schwarze statt rosa Socken zu tragen,
[627]
Müsli anstatt Donuts zu essen,
[628]
in der Stadt statt am Land zu leben,
Betty statt Lolita zu heiraten.
[633]
Eine Welt voller leichter Entscheidungen
[636]
würde uns zu Sklaven der Vernunft machen.
[639]
Wenn man darüber nachdenkt --
(Gelächter)
[642]
Es ist verrückt, zu glauben,
[644]
dass Ihnen Vernunftgründe,
die man Ihnen gab,
[648]
genau die Hobbys diktiert haben,
denen Sie heute frönen,
[655]
genau in dem Haus zu leben,
in dem Sie leben,
[658]
genau die Arbeit zu tun, die Sie tun.
[661]
Stattdessen waren Sie
mit Alternativen konfrontiert,
[664]
die einander ebenbürtig waren --
mit harten Entscheidungen --,
[667]
und Sie haben eigene Gründe gefunden,
[670]
dieses Hobby, jenes Haus,
diesen Job zu wählen.
[674]
Wenn Alternativen sich ebenbürtig sind,
[677]
verstummen die Gründe, die man uns gibt,
die uns sagen, ob wir einen Fehler machen,
[681]
und verraten uns nicht, was zu tun ist.
[684]
Hier, im Reich der harten Entscheidungen,
[688]
dürfen wir unsere normative Macht ausüben,
[693]
die Macht, eigene Gründe zu erschaffen,
[695]
uns zu der Art von Person zu machen,
[700]
die das Landleben dem Stadtleben vorzieht.
[705]
Wenn wir zwischen
gleichwertigen Möglichkeiten wählen,
[708]
sind wir in der Lage,
etwas wirklich Bemerkenswertes zu tun.
[712]
Wir können unser Selbst
hinter eine der Optionen stellen.
[716]
Hier stehe ich.
[718]
Das bin ich.
[720]
Ich bin für das Bankwesen.
[722]
Ich bin für Schokoladen-Donuts.
(Gelächter)
[726]
Diese Reaktion bei harten Entscheidungen
[728]
ist eine vernünftige Reaktion,
[730]
aber sie ist nicht geleitet durch Gründe,
die man an uns heranträgt.
[734]
Sie wird getragen von Gründen,
die wir selbst erschaffen haben.
[739]
Wenn wir unsere eigenen Gründe erschaffen,
[742]
um diese zu Person werden und nicht jene,
[745]
werden wir voll und ganz
die Menschen, die wir sind.
[749]
Man könnte sagen, wir werden
die Autorinnen unseres eigenen Lebens.
[754]
Wenn wir vor schwierigen
Entscheidungen stehen,
[757]
sollten wir nicht gegen eine Wand rennen
[759]
und die bessere Option suchen.
[762]
Es gibt keine beste Alternative.
[764]
Anstatt da draußen nach Gründen zu suchen,
[766]
sollten wir hier drin nach Gründen suchen.
[769]
Wer soll ich werden?
[772]
Sie könnten beschließen,
eine rosa besockte,
[775]
Müsli-liebende, am Land
lebende Bankerin zu sein.
[779]
Und ich könnte beschließen,
eine schwarz besockte,
[782]
urbane, Donut-liebende Künstlerin zu sein.
[786]
Wir wir harte Entscheidungen angehen,
liegt im Wesentlichen bei uns selbst.
[792]
Menschen, die ihre normative Macht
bei harten Entscheidungen nicht ausüben,
[797]
lassen sich treiben.
[799]
Wir alle kennen solche Menschen.
[801]
Ich rutschte in den Anwaltsberuf hinein.
[803]
Ich strebte nicht danach,
Anwältin zu sein.
[805]
Ich war nicht fürs Anwalt sein.
[808]
Leute, die sich treiben lassen,
erlauben der Welt,
[811]
die Geschichte ihres Lebens zu schreiben.
[813]
Sie lassen Mechanismen
von Lob und Bestrafung --
[817]
ein Kopf tätscheln, Angst,
die Leichtigkeit einer Option --
[821]
bestimmen, was sie tun.
[823]
Die Lektion in harten Entscheidungen:
[826]
Überlegen Sie, wofür Sie sich
einsetzen können,
[830]
wofür Sie sein können.
[833]
Durch die schwierige Entscheidung
werden Sie zu genau dieser Person.
[839]
Anstatt einer Quelle von Qual und Furcht
[842]
werden schwierige Entscheidungen
zu kostbaren Gelegenheiten für uns,
[845]
um das Besondere am Menschsein zu feiern:
[849]
dass uns die Gründe, die entscheiden,
ob unsere Wahl richtig oder falsch ist,
[853]
manchmal ausgehen.
[855]
Hier, wo es um harte Entscheidungen geht,
haben wir die Macht,
[860]
Gründe für uns selbst zu erschaffen,
[862]
um die einzigartigen Menschen
zu werden, die wir sind.
[866]
Darum sind harte Entscheidungen
kein Fluch,
[869]
sondern ein Geschenk des Himmels.
[870]
Vielen Dank.
[871]
(Applaus)
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