The Atlantic slave trade: What too few textbooks told you - Anthony Hazard - YouTube

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Übersetzung: Anika Weidner Lektorat: Jo Pi
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Sklaverei -- die Behandlung von Menschen als Eigentum ohne Rechte --
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trat bereits in aller Welt in verschiedenen Formen auf.
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Eine davon sticht jedoch durch ihr globales Ausmaß
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und ihre bleibenden Folgen besonders hervor:
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Der atlantische Sklavenhandel
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vom Ende des 15. bis Mitte des 19. Jh.
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umfasste drei Kontinente
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und brachte mehr als 10 Millionen Afrikaner gewaltsam nach Amerika.
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Die Folgen betrafen nicht nur die Sklaven und deren Nachkommen,
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sondern auch wirtschaftliche und historische Entwicklungen
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großer Teile der Welt.
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Bereits seit Jahrhunderten waren Europa und Afrika
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über das Mittelmeer in Kontakt gewesen.
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Doch der atlantische Sklavenhandel begann erst im späten 15. Jahrhundert
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mit portugiesischen Kolonien in Westafrika
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und der Besiedlung Amerikas durch Spanien kurze Zeit später.
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Der Anbau von Zuckkerrohr, Tabak und Baumwolle in den neuen Kolonien
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war arbeitsintensiv und es gab nicht genug Siedler oder Schuldknechte,
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um das ganze neue Land zu bestellen.
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Amerikanische Ureinwohner wurden versklavt,
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aber viele starben an neuen Krankheiten
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und andere wehrten sich erfolgreich.
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Um also die riesige Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken,
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wandten sich die Europäer Afrika zu.
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Sklaverei gab es in Afrika bereits seit Jahrhunderten in mehreren Formen.
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Einige Sklaven waren Schuldknechte,
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die sich nach einer bestimmten Zeit frei kaufen konnten.
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Andere wurden eher wie europäische Leibeigene behandelt.
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Mancherorts wurden Sklaven Teil der Familie ihres Herrn,
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besaßen Land und stiegen sogar in einflussreiche Positonen auf.
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Aber als weiße Schiffskapitäne Fabrikwaren, Waffen und Rum
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gegen Sklaven anboten,
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gab es für afrikanische Könige und Händler keinen Grund zu zögern.
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Sie sahen in den Menschen, die sie verkauften,
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keine gleichwertigen Afrikaner,
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sondern Kriminelle, Schuldner oder Kriegsgefangene feindlicher Stämme.
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Durch den Verkauf bereicherten sich die Könige
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und stärkten ihre Reiche gegen feindliche Nachbarn.
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Diese Königreiche florierten durch den Sklavenhandel,
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aber die riesige europäische Nachfrage führte zu einem heftigen Wettbewerb.
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Sklaverei ersetzte andere Strafurteile.
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Die Gefangennahme von Sklaven wurde ein Grund für Krieg, nicht seine Folge.
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Um sich vor Sklavenraubzügen zu schützen,
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brauchten benachbarte Königreiche europäische Feuerwaffen,
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die sie sich ebenfalls mit Sklaven erkauften.
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Der Sklavenhandel war zum Rüstungswettlauf geworden.
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Er veränderte Gesellschaften und die Wirtschaft auf dem gesamten Kontinent.
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Die Sklaven selbst waren unglaublicher Brutalität ausgesetzt.
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Sie mussten zu Sklavenfestungen an der Küste marschieren,
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wurden zum Schutz vor Läusen rasiert, gebrandmarkt
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und dann auf Schiffe nach Amerika verfrachtet.
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Etwa 20 % von ihnen sahen nie wieder Land.
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Die meiste Kapitäne pferchten die Sklaven dicht zusammen
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und stopften so viele wie möglich unter Deck.
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Ohne sanitäre Einrichtungen erkrankten viele und starben,
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andere wurden über Bord geworfen, weil sie krank waren oder als Strafe.
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Die Kapitäne sicherten sich ihren Profit,
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indem sie die Ohren der Sklaven als Kaufbeweis abschnitten.
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Einige Gefangenen nahmen die Sache in die eigene Hand.
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Viele Afrikaner aus dem Landesinneren hatten nie zuvor Weiße gesehen
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und hielten sie für Kannibalen,
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die immer wieder Leute mitnahmen und zurückkamen, um mehr zu holen.
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Aus Angst, gegessen zu werden, oder um dem Leid ein Ende zu setzen,
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begingen sie Selbstmord oder hungerten sich zu Tode
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im Glauben, dass ihre Seelen nach Hause zurückkehren würden.
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Wer überlebte, wurde vollständig entmenschlicht
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und als bloße Fracht behandelt.
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Frauen und Kinder blieben über Deck und wurden von der Besatzung missbraucht,
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während die Männer Tänze aufführen mussten,
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um fit zu bleiben und Aufständen entgegenzuwirken.
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Was mit den Afrikanern geschah, die die Neue Welt erreichten,
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und wie die Sklaverei noch heute ihre Nachkommen betrifft,
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ist recht gut erforscht.
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Weniger bekannt jedoch
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sind die Folgen des Sklavenhandels für Afrikas weitere Entwicklung.
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Der Kontinent verlor nicht nur mehr als 10 Millionen Arbeitskräfte.
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Die demografischen Auswirkungen waren langfristig viel größer,
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da die meisten Sklaven männlich waren.
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Als Sklaverei in Amerika und Europa endlich verboten wurde,
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brachen die Königreiche, die sich darauf stützten, zusammen,
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und wurden leichte Opfer für Eroberungen und Kolonisation.
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Der verstärkte Wettbewerb und die Einfuhr europäischer Waffen
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schürten Kriege und Instabilität, die bis heute anhalten.
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Der atlantische Sklavenhandel begünstigte auch
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das Entstehen rassistischer Ideologien.
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Der Großteil afrikanischer Sklaverei war reine Rechtsstrafe
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oder Kriegsfolge zwischen Stämmen,
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doch die Europäer, die eine weltumfassende Religion predigten
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und seit langem die Versklavung anderer Christen verboten hatten,
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brauchten eine Rechtfertigung für Taten,
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die so offensichtlich mit ihren Idealen von Gleichheit unvereinbar waren.
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Deshalb wurden Afrikaner als biologisch minderwertig
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und zur Sklaverei bestimmt befunden.
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Sie bemühten sich sehr, diese Theorie zu rechtfertigen.
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Dadurch wurde Sklaverei in Europa und Amerika
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zu einer Frage der Ethnizität
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und machte es für Sklaven und ihre Nachkommen unmöglich,
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gesellschaftliche Gleichstellung zu erreichen.
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All diese Aspekte
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machen den atlantischen Sklavenhandel zu einem Unrecht gewaltigen Ausmaßes,
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dessen Folgen noch lange nach seinem Verbot spürbar sind.